112 Finnland.
den Küſtenſtädten wohnen. Obwohl ruſſiſche Provinz hat es doh eine eigene
Landesregierung und eine Volksvertretung, ſo daß es füglich als ein eigenes
Land betrachtet werden kann. Das Schulweſen iſt ſehr dürftig, faſt neu, was
ſchon daraus hervorgeht, daß es bei einer ſo großen Bevölkerung nur ungefähr
27,000 Schüler giebt, wenn es hoch kommt, denn andere Nachrichten geben nur
20,234 an. Ein anderer Beweis hierfür iſt der Umſtand , daß erſt 1863
ein Lehrerſeminar mit einer Abteilung für Lehrerinnenzöglinge in Jywäskylä
gegründet wurde. Für die ſchwediſche Bevölkerung wurde 1871 ein Lehrerinnen=-
ſeminar zu Ekenäs und 1872 ein Lehrerſeminar zu Nykarleby gegründet. Zm
Jahre 1877 wurde von den Landſtänden die Errichtung eines neuen Seminars
für Lehrer mit einer Abteilung für Lehrerinnen zu Sordavola beſchloſſen. Die
Lehrkräfte des finniſchen Seminars beſtehen in 1 Vorſteher, 1 Vorſteherin,
8 Lehrern und 3 Lehrerinnen, die des ſchwediſchen Lehrerſeminars in 1 Vor-
ſteher und 5 Lehrern ; die des ſchwediſchen Lehrerinnenſeminars in 1 Vorſteher,
1 Vorſteherin, 2 Lehrern und 2 Lehrerinnen. Die Hälfte der Seminariſten
und Seminariſtinnen wohnen in den Seminarien, die Hälfte bei Familien.
Die Schüler und Schülerinnen der vierten (oberſten) Seminarklaſſe wohnen alle
bei Familien. Eigentümlich iſt, daß ein großer Teil der Seminariſtinnen den
beſſeren Ständen angehört, Töchter von Lehrern, Litteraten , Predigern, Beamten
und Kaufleuten ſind, während die Seminariſten faſt ohne Ausnahme aus nie=
deren Geſellſchaftöſhi Die Zöglinge im Internat bezahlen jährlich 120 «4 für Verpflegung. Zn
jedem der vier Fahreskurje find fünf unentgeltliche Plätze für mittelloſe Zög-
linge. Au ein eigentliches Schulgeſeß beſteht erſt jeit 1866. Merkwürdiger
Weiſe hält dasſelbe die Eltern an , die Anfangsgründe des Leſens , des Ver-
ſtehens der Mutterſprache und der Religion den Kindern ſelbſt zu geben, be-
ſtimmt aber, daß in jenen Ortſchaften, in denen die Kinder hierin nicht ge-
nügend belehrt werden könnten, die Gemeinden dafür Sorge zu tragen haben,
daß dieſe Anfangsgründe in ſtändigen oder in Wanderſchulen gelehrt werden,
In Gemeindeſchulen werden die Kinder erſt aufgenommen, wenn ſie zehn Jahre
alt find, fließend aus einem Buche leſen können und diejenigen religiöſen
Kenntniſſe beſitzen, welche ihnen das Vaterhaus beibringen kann. In den
Städten dagegen werden die Kinder vom achten bis zum vierzehnten Jahre
aufgenommen und vom ſechsten Jahre an in die Vorbereitungsklaſſen gebracht.
Es beſteht keine feſte Zeitdauer für den Beſuch der Schulen, auch iſt derſelbe
niht obligatoriſ<. Die Lehrgegenſtände ſind Religion, Leſen , Sc Sprachlehre , Anfangsgründe der Geographie und Geſchichte , Rechnen und
Naturgeſchichte , Zeihnen , Geſang und Turnen. Dazu kommen noF Hand«
arbeiten für die Kinder beiderlei Geſc Wochen, die tägliche Schulzeit 4--6 Stunden, je nach dem örtlichen Bedürfnis.
Der Schulbeſuch iſt jedo< ſchlecht. Über die Hälfte der ländlichen Volksſchüler
beſucht die Schule nur 4 Monat jährlich und noh darunter. Der Staat giebt
jeder Gemeindeſchule auf dem Lande einen jährlichen Zuſchuß von 600 „&
für jeden Lehrer, von 400 & für jede Lehrerin. Dieſer Zuſchuß kann nach
zehn Jahren um 20 ?/) und von da an nach je fünf Jahren um 10/, er-
höht werden, bis die Erhöhung nac< fünfundzwanzig Jahren 50/5 des ur-
ſprünglihen Zuſchuſſes erreicht hat. Die Gemeinde muß den Sulſaal und
die Schulmobilien , die Lehrerwohnung und eine Gehalt8zulage in Naturalien:
zwei oder drei Morgen Aerland, Brennholz und Nahrung für eine Kuh
liefern. In den Städten giebt der Staat einen Zuſchuß, der nac< der Zahl
der Einwohner und dem Grade der Schule wechſelt. Nach dreißig Dienſtjahren
erhält der Lehrer oder die Lehrerin als Penſion 600 oder 400 A. Zm Falle
von Gebrechlichkeit wird ein Teil dieſer Summe nach der Zahl der Dienſtjahre
bewilligt. Eine Witwen- und Waiſenkaſſe iſt mit Hilfe des Staates gegründet

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