19 Amerikaniſches Erziehungsweſen.
nen, daß unſer Erziehungsſyſtem für die Jugend das umfaſſendſte, eingehendſte
und ſchwierigſte von der Welt iſt.“ Und das »Freeman's Journal« bemertt
hiezu: „Was Dr. Nebinger über die öffentlihen Shulen von Phila-
delphia ſagt, gilt, wenigſtens zum Teil, von jeder Stadt der Union.“ Aber
nicht nur entſprechen die amerikaniſchen Schulen den Mitteln nicht, die darauf
berwendet werden, ſondern der Sinn für Freiheit und Unabhängigkeit, welcher
dem jungen Amerikaner innewohnt, hat ſich ſeit den lezten Jahren zu einer
Zuchtloſigkeit und einem fittlihen Verderbnis geſteigert, daß die katholiſchen
Biſchöfe alle Urſa<ßen haben, die Staatsſhulen als die Vorſchulen für die
Zuchthäuſer und als wahre Peſtſtätten zu betrachten und ihre Gläubigen in
Hirtenbriefen zu warnen, ihre Kinder nicht in ſolche Schulen zu ſchien. Die
amerikaniſchen Blätter bringen Geſchihten, wie man ſie doc keit in keinem Lande findet. So berichtet z. B. der „Herold des Glaubens“
in Nr. 35 v. 1882: Die Kriminalnachrichten einer einzigen Woche weiſen
einen bedauernswerten Grad von moraliſcher Verkommenheit dex Knaben
auf: Ein Knabe in Belleville JUs tötete eim Mädchen, das ſeiner Aus-
j zwei Knaben wegen einer Haſenjagd und einer erſ Axt. = Ein Knabe in St. Louis erſtah ſeinen Spielgenoſſen, der ihn
wegen ſeiner Unwiſſenheit im Engliſchen ne>te. =- Ein Knabe in Weſt-Vir-
ginien erſchoß einen andern, der ſih mit ihm um die Gunſt eines Mädchens
bewarb. = Ein Virginiſcher Knabe bekennt die Vergiftung zweier Perſonen.
-- Ein Texa5-Knabe erſchoß ein kleines Mädchen, weil es ſich weigerte,
auf ſeinen Befehl einen Eimer herzuſtellen. =- Ein Kanſas8-Knabe beſteht
eben jein Verhör wegen abſichtliher Ertränkung eines Spielkameraden. =-
Zwei Wisconſin-KFnaben haben ein Kind faſt zu Tode mißhandelt. = Zn
Chicago haben ſich drei Knaben eines Straßenraube3 ſchuldig bekannt. =- Ein
Knabe in Neu = Mexiko hat ein Baby erſchoſſen. =- Ein Knabe in Jova iſt
ein Fälſcher. =-- Ein Miſſouri- Knabe hat ein Haus in Brand geſte>t. =
Cin Pferdedieb in Colorado iſt 8 und die Mitgehilfen der Bande ſind unter
16 Jahre alt. -- Angeſichts dieſer großen Gefahren, welche der katholiſchen
Jugend von ſeiten der konfeſſionsloſen Staatsſ wunder zu nehmen, daß der katholiſche Klerus mit ſeinen Bijchöfen an der
Spitze von jeher auf die Errichtung katholiſcher Schulen beſtand. Es war
eben ein Akt der Notwehr und eine Maßregel , die ergriffen werden mußte,
wollte man nicht die aufwachſende Generation der Kirche entfremdet ſehen.
Daher betrachtet es auch jeder eifrige Prieſter für eine Gewiſſenspfliht, neben
der Kirche auch eine katholiſche Schule zu errichten. „Die Errichtung katholi-
ſcher Sculen ,“ ſo leſen wir im Hirtenbrief der Väter des erſten Provinzial-
Konzil3 von Cincinnati (1855), „iſt in mancher Hinſicht ebenſo wichtig, wie
der Bau neuer Kirchen.“ Demgemäß ermahnt das Plenar-Konzil von Balti-
more (1866) Tit. 9. ec. 1. die Seelſorger dringend, in ihren Gemeinden
katholiſ Hirtenbriefen einzelner Biſchöfe und von Provinzial= und Diözeſan - Synoden
wiederholt. Manche Biſchöfe ſahen ſih ſogar genötigt, die Seelſorger anzu-
halten, denjenigen Eltern die Lo3ſprechung in der Beicht zu verſagen, die ſich
weigern, ihre Kinder ſtatt in die Staatsſchule in die katholiſc ſichiden , falls eine folhe am betreffenden Platze beſteht. Es
möge genügen, die neueſten Kundgebungen des katholiſchen CEpiſkopa-
tes in dieſer Frage anzuführen. So ſchreibt Erzbiſhof Michael Heiß von
Milwaukee in ſeinem Faſtenmandat von 1881: „Die Sorge für die katholiſche
„Zugend iſt gegenwärtig eine unſerer dringendſten Verpflichtungen. Dieſer
Verpflichtung jedoch können wir nicht genügen, wenn wir nicht darnach ſtre-
ben, überall, wo es möglich iſt, katholiſhe Schulen zu errichten. Viel iſt in

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