150 Geſundheitspflege.
Aufenthalt in feuchten Räumen, Rauc<, Durchzug, Schauen in das Herd=-
feuer 2c. kommen. Al3 eine Hauptquelle der Kurzſichtigkeit darf man auch die
Hausaufgaben bezeichnen, die oft unter den ungünſtigſten Verhältniſſen ge-
liefert werden müſſen. (Rheiniſch-Weſtf. Schulz. 1880. Nr. 1.) 6) Geiſtes-
ſtörungen. In neueſter Zeit wollen JIrrenärzte die Beobachtung gemacht
haben , daß mehr Geiſtesſtörungen als früher vorkommen und ziehen auch hier
die Schule in Mitſchuld. Sie behaupten, durch eine allzu große Anſpannung
in der Schule, ſowie durch ungünſtige und verkehrte Einflüſſe auf die Empfſin-
dung8= und Willensrichtung würden Störungen der Geiſtesfunktionen hervor=-
gerufen. Leßteres wenigſtens iſt begreiflich und die vielen ſhon unter Kindern
vorkommenden Selbſtmorde ſind ja nur auf Rechnung einer verkehrten Cm-
pfindung8= und Wiſllenörichtung zu ſchreiben. Allein dieſe Erſcheinung iſt nicht
der Schule als Schuld zuzuſchreiben , ſondern dem Zurücktreten des religidjen
Elementes in der Schule und dem Überhandnehmen der ſchlechten Grundſäße,
welche die notwendige Folge hievon und von der ſchlechten Lektüre ſind, mit
welchen ſchon zarte Knaben fo leicht Bekanntſchaft machen können. Wenn die
Ärzte nach den Urſachen vorkommender Geiſtesſtörung forſchen, ſo iſt gar nicht
zu zweifeln , daß ſie Jdeale und Überſpanntheiten nicht miteinander verwech-
ſeln werden. Wir unſererfeits halten dafür, daß ſie die Pflege des religiöſen
Leben35 als das beſte Gegenmittel betrachten lernen werden gegen jene Auf-
regungen, die LoFerheit der Sitten, verbunden mit einer mißleiteten Phan-
tafie, hervorrufen. 7) Die Lungenkrankheiten können nur uneigent=
lim hierher gere ſ günſtig auf die Lungen wirken, jo hat dies doh mit dem Unterrichte nichts
zu thun und die Behauptung, daß die Tuberkuloje in den Schulen gefördert
werde, findet bei den Arzten keinen Anklang. Dagegen wird eine rationelle
Atempflege, eine Atemgymnaſtik mit den Schulkindern während der Zwiſchen-
pauſen empfohlen. C3 gehöre dazu nur ein militäriſches Antreten der Kinder
und ein Atemexerzitium derſelben nach Kommando, und es ſei erſtaunlich, wie
nach ſolchen Übungen der Appetit zur reinen Luft ganz von ſelbſt komme. Ze
mehr man die Atemexerzitien übe, deſto mehr ſ brüftigen und der zum Dienſte Untauglichen. (Allgem. Chronik d. Volksſchulw.
1879. S. 15.) Es kommen jeßt noh in Betracht 8) die Ernährungs-
ſtörungen. E53 foll in der Zeit des erſten Schulbejuches bei manchen
Kindern eine ungünſtige Veränderung vor ſich gehen. Die friſche Geſichtsfarbe
joll ſic) verlieren , die Kinder ſollen ſtiller und nicht ſelten reizbar werden.
Dieſe Übelſtände =“ fo will man bemerkt haben -- nehmen ab, ſobald die Ferien
beginnen. Zwar Lehrer und Geiſtliche, welche doch die Kinder im Unterricht
empfangen und tagtäglich mit ihnen verkehren, bemerten keine jolhe Crnährungs-
ſtörung an Kindern, die zu Hauſe hinreichende Nahrung haben, und andere
Ärzte, z. B. Daiber (Körperhaltung und Schule. Stuttgart 1881, X 2.
S. 44) leugnen dies entſchieden. Unter dieſen Umſtänden wird man vorjichtig
jein und alles unberückſichtigt laſſen müſſen , worin nicht die größere Zahl der
Männer, welche ſich mit diejen Fragen beſchäftigen, übereinſtimmen. Wo aber
anerkannte Übelſtände vorhanden find, ſind dieſe unter Jeder Bedingung zu
entfernen und wo ausſhlaggebende Erfahrungen gemac Neubauten auf das ſorgfältigſte zu berücfichtigen , denn alles, was für
Pflege des Leibes geſchieht, geſchieht auch für Pflege des Geiſtes, da nac<ß einem
alten Saße ein geſunder Geiſt nur in einem geſunden Leibe wohnen kann.
Hierher gehören auch die Artikel dieſes Ergänzungsöheftes: Geſundheitspolizei
und Überbürdung. Außer den Bd. 11, 280 genannten Scriften ver-
dienen vorzugsweiſe Erwähnung: Baginsky, Dr. Ad., Handbuch der Schul-
Hygiene. Mit 36 in den Text gedruckten Holzschn. gr. 8. Berlin,

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