152 Geſundheitspolizei.
größeren Plaß auf drei Seiten von drei freiſtehenden Häuſern einſchließen,
die vierte Seite mit Bäumen beſetzen laſſen, unter deren Schatten Bänke an-
gebracht werden. Ein Haus enthält die Schulzimmer, ein zweites die Lehrer-
wohnungen und das dritte das, was man heutzutage unzertrennlich von einer
Stadtſchule hält, das Konferenzzimmer, das Leſezimmer, die Bibliothek , die
Dienerwohnung u. dgl. Jn der Mitte des Plaßes aber ſpende ein fließender
Brunnen ebenfalls von Bäumen umgeben , ſein labendes Naß. Freilich wird
es noch eine Zeitlang gehen, bis ſolche Vorſchläge richtig gewürdiget werden.
-- Was die Richtung des Schulhauſes anbelangt, ſo kann hier nur die Frage
in Betracht kommen, woher man die beſte Beleuchtung erhalte, und das iſt
denn nicht allein von der Himmelsrichtung abhängig; es kommt auch darauf
an, zu welcher Tage8zeit die Unterrichtöſtunden abgehalten werden, und welches
die klimatiſchen Verhältniſſe ſind. Während im Süden die nördliche Richtung
zu empfehlen iſt, empfiehlt ſih im Norden die ſüdliche, am wenigſten die weſt-
lihe. -- Die innere Einteilung. Die Klaſſenzimmer dürfen nicht nur
ni 9-10 m als das größte zuläſſige Maß für ein Klaſſenzimmer betrachtet ;
die Tiefe ſoll 7 m nicht überſchreiten. Die Höhe foll nicht weniger als
3,9 m und niht mehr als 4,5 m betragen. Der Flächeninhalt des
Scuſlzimmers ſoll für jüngere Schüler wenigſtens 1 qm, für ältere 1,5 qm
ſein. Kubiſher Raum ſoll für jüngere Schüler (2--3 malige Lufterneuerung
in einer Stunde vorausgeſeßt) 4--5, für ältere 6--7 km vorhanden ſein.
Aber hier tragen die Geſeßgebungen doh den gebieteriſchen Verhältniſſen Rechnung.
So z. B. geſtattet Öſterreich ſhon 3,8 km , Württemberg für Schüler bis
zu 14 Jahren 3 km. Freilich weichen die älteren Schulhäuſer bedeutend von
dieſen geforderten Maßverhältniſſen ab. So fanden wir 3. B. in der erſten
beſten badiſchen Schule, deren Schulzimmer nicht zu den ungünſtigſten gehören,
bei einer Geſamtflähe des Zimmers (nicht Sißfläche) von 66,38 qm und
183 km 71 Schüler, während nah den oben angeführten Zahlen der Autoritäten
nur 43-44 Schüler Platz hätten. -- Daß ein Korridor mitten durch das
Schulhaus durchläuft, auf deſſen beiden Seiten die Klaſſenzimmer ſich
einander gegenüberliegen , wird nicht empfohlen, ſondern man hält es für zu-
träglicher, wenn nur eine Reihe Klaſſenzimmer hergerichtet würde, welche alle
von einem Korridor aus zugänglich ſind, der die vordere Längsfaſſade des Ge-
bäudes bildet. In dieſer Art ſoll das Schulhaus in Aarau gebaut ſein. In
Leipzig ließ man die Schulzimmer tapezieren ; bald aber waren die Tapeten
von den bekannten kleinen Tierchen zerfreſſen und wurden die Wände wieder
mit Kalkfarbe angeſtrihen (Päd. Jahresbericht 1881, S. 524.) Unter den
Schußzmitteln gegen das Sonnenlicht haben ſich die gewöhnlichen, aber nicht in
Schnüren, ſondern in Ketten laufenden Stores am beſten bewährt. Der beſte
Stoff dazu iſt ungebleihte Leinwand ; jeder andere Stoff läßt mehr Licht durch.
Die amerikaniſchen Stores, welhe in der Mitte des Fenſters angebracht ſind, und
hinauf= oder herabgerollt werden können, je nachdem die Sonnenſtrahlen nur
oben oder nur unten eindringen, werden als zu theucr bezeichnet und haben
keinen Eingang gefunden. Die Fußböden ſollen von hartem Holz, wo möge
liq von Eichenholz ſein ; Buchenholz faßt zu viel Feuchtigkeit. Ein guter Fuß-
boden iſt Tannenholz wiederholt mit reinem ſiedendem Leinöl ſtark getränkt ; ein
jolcher kann mit feuchten Lappen abgewiſc einer Seite und zwar von links einfallen. Eine eigentümliche Lichtleitung
befindet ſi< im Schulhauſe von Frauenfeld. Dort iſt die der Thüre gegen-
überliegende Zimmerwand in eine Gla8wand umgewandelt ; keine Fenſter,
fondern die ganze Wand iſt Glas mit Ausnahme der nötigen Pfoſten und
Volzrahmen, ja im Neuwieſenſhulhaus Winterthur ſind auh dieſe durch
eijerne Rahmen erſcht (Schweiz. Shularchiv 1880, S. 26). Das kann man

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