Geſundheitspolizei. 153
nun freilich höchſt ſelten nahahmen; aber bei Neubauten ſoll man wenigſtens
die Fenſter nicht verteilen, ſondern zuſammenſchieben, um eine möglichſt große
Lichtfläße zu erhalten. Die Fenſter ſollen bis zur Zimmerde>e reichen und
oben nicht gebogen, ſondern horizontal ſein. =- Unter den verſchiedenen Hei z-
anlagen haben weder die Luftheizung, noc< die Heißwaſſerheizung, noch die
Dampfheizung fich bewährt. Durch die Luftheizung werden die nämlichen Übel
erzeugt, die man durch die Ofenheizung vermeiden wollte, nämlich allzugroße
Tro>enheit der Luft, ungleiche Verteilung der Wärme und Entwidelung von
Kohlenoxyd. (Vgl. Erismann, Handbuch der Hygiene und Gewerbskrank-
heiten von v. Pettenkofer und v. Ziemſſen S. 57.) Die allzugroße
Tro>enheit verurfacht leiht Beklemmung, vermehrten Blutandrang nach dem
Kopfe, Kopfweh , nervöſe Aufregung , Brennen in der Rachenhöhle , vermehrten
Reiz der Schleimhäute, Heiſerkeit u. ſ. w. E3 wären alfo da, wo die Luft-
heizung eingeführt wurde, tauſende von Kindern Jahre lang im Namen der
Wißenſchaft malträtirt worden. Dazu kommen no< namhafte Störungen und
Koſten. Einzelne Räume können weder allein für ſich erwärmt, no< von der
allgemeinen Erwärmung ganz abgeſ Wandſtellen, wo die Zirkulation der erwärmten Luft ſtattfindet, leiden die Ge-
bäude Schaden, und fallen Reparaturen in die Winterzeit, ſo kann eine längere
Unterbrechung der Geſamtheizung eintreten müſſen. Schon 1876 wurden in
der Sitzung des mediziniſch-pädagogiſ gefähr 80 Gutachten und Klageſchriften über die Luftheizung, verfaßt von
Lehrern, Lehrerkollegien, Ärzten 2c. vorgelegt, in welchen ſie ſich übereinſtimmend
gegen die Luftheizung ausſprechen und wurde der ſummariſche Inhalt von
38 Gutachten, worunter ſolche von mediziniſhen Zelebritäten veröffentlicht. Aus
zahlreichen ärztlichen Unterſuchungen wurde auch ermittelt, daß die Diphteriti8-
pilze nur bei trofener Luft übertragen werden können und daß ſomit die Luft-
heizungen die Hauptbeförderer der Halskrankheiten ſind. De3halb wurde die
Luftheizung in vielen Schulhäuſern wieder abgeſchafft, z. B. in Münden (S Hygiene, Aus den Verhandlungen des mediziniſch - pädagogiſchen Vereins in
Berlin von Dr. F. Toſelows3ki, Schriftführer des Vereins. Berlin 1883,
Staade. A 2). Man will es jezt mit der Warmwaſſerheizung verſuchen
und ſollen die Berliner Schulen jolhe erhalten. Auch zu Füllöfen hat man
jeine Zuflucht genommen; ſo z. B. in Frauenfeld und iſt man mit ihnen bis
jeht no< ſehr zufrieden. Für kleinere Schulen eignen ſih am beſten Öfen,
welche aus Thon und Eiſen zuſammengeſeßt ſind, eiſerne Heizkäſten mit einem
Badſtein-Mantel, der 7 cm vom Ofen entfernt und unten und oben offen jein
joll. Der Abſtand des Ofens von den Schulbänken ſoll nicht unter 9 dm,
Ofenſchirme niht unter 2 m hoch ſein. Ob es aber etwas nüßen wird, wenn
die königl. Regierung zu Würzburg anordnet, daß in Shulen mit beſchränkten
Lehrzimmern, in denen einige Schüler ganz nahe beim Ofen ſien müſſen, alle
8--14 Tage die Pläße gewechſelt werden ſollen? (3. Febr. 1879). -- Alle
fünſtlihe Ventilation kann die natürliche durch Offnung der Fenſter und
der Thüren nicht überflüſſig machen. Dieſe müſſen regelmäßig in den Pauſen,
während welchen die Kinder nicht im Sc Zweddienlich iſt ein bewegliches Oberfenſter, welches durch einen Zug ge-
öffnet und geſchloſſen werden kann. In neuerer Zeit liebt man e8 Kanäle von
außen in die Zimmer zu leiten, um friſche Luft zu- und die verdorbene Luft
durc< Abzugskanäle, welche unter das Dach reichen, abzuführen. -- Blißobleiter
werden merkwürdigerweiſe auf Schulhäuſern nicht für unbedingt notwendig
erachtet. Die Lehrer der Provinz Sc häuſer und begründeten die Notwendigkeit mit der Lage zwiſchen zwei Meeren
und anderen Eigentümlichkeiten. Sie erhielten aber keine Gewährung und ſelbſt
der Antrag auf die Univerſitätsgebäude von Kiel vier Blitzableiter zu erſtellen,

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