Liturgiſcher Geſang. 219
zuräumen , welhe der Ausführung vorläufig noc< entgegenſtehen. Die Voxr-
ſchriften inbetreff des kirchlichen Geſanges aber ſind niedergelegt teils in den
liturgiſc Feier des Gotte3dienſtes vorſchreiben und regeln, alſo im Miſſale , Veſperale,
Benediktionale, Prozeſſionale, teils in den von der Kirche genehmigten Choral=
büchern (Antiphonarium, Graduale), teils in den Entſcheidungen der vom Papſte
hierfür eingeſezten Kongregationen. Hier gilt nun als oberſter Grundſaß, daß
der Geſang nicht die kirchliche Feier begleitet, ſondern daß er einen integrierenden
Beſtandteil der Liturgie bildet, daß deshalb nichts geſungen werden darf, als
was der Liturgie entnommen iſt, und daß es genau ſo geſungen werden muß,
wie es die Kirche vorſchreibt, weshalb der Organiſt vor allem dieſe Vorſchriften
kennen, fich in dieſelben immer tiefer hineinleben und durc< ſorgfältiges Stu-
dium ſich dieſelben immer klarer zum Verſtändnis bringen muß. Wir wollen
nun die hauptfächlichſten Regeln für den Kirhengeſang hier niederlegen,
um den Organiſten Gelegenheit zu geben, ſich zu orientieren: 1) Beim litur-
giſchen Gottesdienſt muß in der liturgiſchen Sprache, alſo lateiniſ< gejungen
werden. 2) Cs muß der liturgiſche Text zum Vortrag kommen und zwar ganz,
nicht abgekürzt, am rechten Orte (nicht ein Stü> de8 Credo erſt nah der hei-
ligen Wandlung) und zur rechten Zeit, 3. B. in der Oſterzeit nicht ſtatt
Regina coeli laetare das Salve Regina! 3) Wie der Tert nicht abgekürzt
werden foll, jo dürfen auch keine Worte verändert, umſtellt und oftmals wieder-
holt werden. 4) Der Chor darf nicht ſingen, was der Prieſter ſingt; der Chor
darf alſo nicht wiederholen: »Gloria in excelsis Deo«, »Credo im unum
Deums«, darf nicht das » Pater noster- oder -Ite misSa est« fingen, um
dem Prieſter eine Mühe abzunehmen u. ſ. w. 5) Die Rubriken der liturgt=
ihen Bücher verpflichten Chorſänger , Dirigenten und Komponiſten geradeſo
ſtrenge, wie den Prieſter ; wer wiſſentlich und abſichtlich ſich dagegen verfehlt,
begeht eine Sünde, und wenn er noh ſo ſchön ſingt, dirigiert, komponiert,
kann er auf folhe Weiſe Gott keine Ehre erweiſen, den Gottesdienſt nicht ver=
herrlihen und das Volk nicht religid8 erbauen. Für die heilige Meiſe
(MiSSa cantata) gelten folgende Regeln: Der Chor muß ſingen: Introitus,
Kyrie, Gloria, Graduale mit Tractus und Sequenz, Credo, Offertorium,
Sanctus, Benedictus, Agnus Dei, Communio und ſämtliche ResponSoria
(aug das » Deo gratias- nac< dem »Ite misSa est«). Wo wegen irgend
einer vernünftigen Urja<ße nicht all dieſe Teile oder dieſelben nicht ganz ge-
jungen werden können, darf die Orgel dieſelben abſpielen ; der Chor aber foll
dieſelben mit gedämpfter Stimme recitieren. Die Chorſänger dürfen den In-
troitus der Meſſe nicht eher beginnen, als bis der Celebrant am Altare an-
gelangt iſt; darauf folgt unmittelbar das Kyrie. Hat der Celebrant »Gloria
in excelsis Deo- angeſtimmt, ſo fährt der Chor fofort weiter: »et in terra
paS«. Graduale., in gewiſſen Zeiten Tractus und Sequenz, folgen gleich
nac< der Epiſtel Das Credo muß immer ganz geſungen werden; cs darf
alſo nicht ein Teil, während die Orgel ſpielt, bloß recitiert werden. Das
Sanctus wird vor der heiligen Wandlung immer nur bis zum Benedictus
geſungen; erſt nach der heiligen Wandlung folgt das Benedietus. » Agnus
Dei« ſoll angefangen werden, wenn der Prieſter am Altare e8 betet, die Com-
muni10 nad) der Kommunion des Prieſters. Kyrie, Gloria, Credo. Sanctus,
Benedictus und Agnus Dei haben immer den gleichen Tert. Die übrigen
Meßgeſänge wechſeln jeden Tag; darum muß auc< der Chor immer die auf
den Tag paſſenden Texte vortragen, nicht immer dieſelben, oder einen Text an
vielen Feſten, der nur auf ein einziges Feſt paßt. Die Orgel darf das ganze
Jahr hindurch geſpielt werden; aber in der Advent38zeit nur am 3. Sonntag
und in der Faſten nur am 4. Sonntag. Wenn in der Advent8- und Faſten-
zeit die heilige Meſſe de tempore (von der Zeit des Kirc

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