90 Anhalt. -- Anſchauungsunterricht.
richtig, denn die Bevölkerung hat ſich von 1874 bis 1880 nur um 2070
Seelen vermehrt. Es wurde dieſe Summe vielmehr auf die Verbeſſerung des
Schulweſens verwendet, namentli 1874 ſich deren Zahl um 178 Lehrer und 59 Lehrerinnen mehrte. 1880
wirkten 543 Lehrer und 91 Lehrerinnen an den Volksſchulen , 100 Lehrer an
den Gymnaſien und Realſchulen, 15 Lehrer und eine Lehrerin am Seminar,
30 Lehrer und 17 Lehrerinnen an den 4 Höheren Töhterſchulen; im ganzen
797 Lehrperſonen, was bei einer Bevölkerung von 232,591 auf 294 Seelen
eine Lehrkraft au8macht, ein ungemein günſtiges Verhältnis. Die Beſoldungen
der Volksſ den Landſtädten oder in den 4 Haupiſtädten angeſtellt ſind vor der definitiven
Anſtellung -4& 900, 990 und 1020, nach erfolgter fünfjähriger Dienſtzeit
1100, 1200, 1300, nah zehnjähriger 1300, 1400, 1500, nad
zwanzigjähriger 1500, 1600, 1700, na A 1700, 1800, 1900. Die Penſionen werden nach den bei der Benthio-
nierung der Staatskeamten geltenden Beſtimmungen bemeſſen. Die höheren
Lehranſtalten wurden 1881 von 1915 Schülern und 966 Schülerinnen be-
ſucht, die Volksſc kommen no< 362 Schüler in Privatſ So kommt ungefähr auf ſec Ergebnis bezeichnet werden kann.
Anſchauung3unterricht (Bd. I, 98 ff, u. 103 ff.). Wir haben den
Grundſatz ausgeſprochen , daß ein Anſchauungs3unterricht, der ſich nur damit
befaßt, den Kindern die Gegenſtände aus der Körperwelt und ihre Zuſtände
zur unmittelbaren Anſhauung vor die Sinne zu führen, nicht nur nicht not-
wendig, fondern ſogar zeitraubend jei, daß aber dagegen der Anſc richt, wie er auf unſeren Schulplänen ſtehe, ſeine volle Berechtigung habe, da er
eigentlic ein Sachunterricht ſei, der fich ſhon auf der mittleren Stufe zum Real-
unterricht geſtalte und beſonder3 de8halb den Namen Anſchauungsunterricht
trage, weil er es vorzüglich mit der Bildung des Anſchauungsvermögen3 zu thun
habe und mehr als jeder andere Unterricht geeignet fei, den Kindern viele für
die Zukunft notwendige Vorſtellungen zu verſchaffen und die dunkeln gleichſam
in die Seele unbewußt eingeſchlichenen zu erhellen und zu bewußten zu machen.
Unterdeſſen hat der geſchiedene Anſ fahren und iſt an vielen Stellen ganz verdrängt worden. Selbſt im „Pädago-
giſ Rubrik Anſ unter die Rubrik „Sprachunterricht“ verwieſen worden. Man ging von dem
theoretiſch allerdings richtigen Grundjaß aus, daß jeder Unterricht anſchaulich ſein
müſſe, daß der Anſc ein Unterrichtöprinzip jein foll. Denno< müſſen wir dem ſelbſtändigen An-
ſhauung3unterricht auch jezt noc< das Wort reden und denjelben als notwendig
bezeihnen aus den oben angegebenen Gründen, die zu allen Zeiten ihre
Giltigkeit haben werden , weil die Kinder zu allen Zeiten einen vorbereitenden
Unterricht nötig haben, um mit Nußen dem eigentlihen Unterrichte folgen zu
können. Dieſe Anſicht hat in der neueſten Zeit auc< Dr. Auguſt Vogel
ausgeſprochen, indem er ſagt: „Dennoc< aber bedarf es eines Unterrichtes, der
dem neu eintretenden Schüler diejenigen Elementarbegriffe in ſyſtematiſcher Weiſe
zuführt , welche dem Unterrichte überhaupt zu Grunde gelegt werden müſſen.
Mag immerhin das Leben einen guten Teil dieſer Begriffe dem Kinde bereits
vorgeführt haben, ſo mangelt es doch meiſt, teils an der nötigen Klarheit , teils
an der erforderlichen Vollſtändigkeit derſelben.“ (Syſtematiſche Encyklopädie der
Pädagogik. Eiſenac< 1881. X 4). Als leitende Geſichtspunkte für einen ſolchen

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