Preußen. -- Realſchule, 279
27 Töchterſhulen mit 1970 Schülerinnen , für 47 Penſionate mit 2450 Zög-
lingen. Es blieben ſomit unbeſetzt 277 Anſtalten mit 15,290 Kindern (Geſchichte
des Kulturkampfes in Preußen. Zn Akltenſtüken dargeſtellt von Franz Xaver
Schulte, Pfarrer in Erwitte. Eſſen 1882, S. 458 u. 585). -- Ein höäß-
lies Bild in der Schulgeſchichte Preußens in den letzten zwölf Jahren iſt auch
der Sprachenzwang, den man in den nichtdeutſ mit überwiegend nichtdeutſhen Kindern beim Unterrichte anwendete. Durch
Oberpräſidial-Verfügung der Poſener Regierung vom 27. Oktober 1873 wurde
verordnet, daß in den von Kindern polniſcher Zunge beſuchten Volksſ der Provinz Poſen in allen Lehrgegenſtänden, mit An8nahme der Religion und
des Kirc in der Religion und im Kirhengeſange ſollte der Unterricht auf der mittleren und
oberen Stufe mit Genehmigung der Regierung in dieſer Sprache erteilt werden, wenn
die Kinder in der Kenntnis der deutſchen Sprache ſo weit vorgeſchritten ſind , daß
ein richtiges Verſtändnis erreicht werden kann. (Keller, a. a. O. 1874, Nr. 6.)
In Oberſchleſien und Preußen ging das Oberpräſidium no< weiter; es ſollte
dort der Religionsunterriht nur auf der Unterſtufe in polniſcher Sprache er-
teilt werden dürfen. An den höheren Lehranſtalten der Provinz Poſen ſollte
der Religionsunterriht in deutſcher Sprache erteilt werden. Der Erzbiſchof
Ledo Sekunda an. Da die Religionslehrer erklärten, dem Erzbiſchofe gehorchen zu
wollen, wurden dieſelben ſämtlich abgeſezt und damit der Religionsunterricht
an allen den betreffenden Lehranſtalten ſiſtiert, zugleih aber auch der Beſuch
wie die Erteilung von Privatunterricht unterſagt. Daß politiſ pädagogiſchen Ziele nicht beeinfluſſen ſollten , wird jeder Unbefangene zugeben.
Die deutſ tote Sprache und die Lehrer prägten eingeſtandenermaßen „mit blutigem
Schweiße“ da38 Deutſche den Kindern ein, welche alsbald wieder vergaßen, was
jie gelernt hatten, abgejehen von den Lächerlichkeiten, welche vorkamen und
der Erbitterung, welche dieſe Verordnung erzeugte. So iſt der preußiſchen
Unterricht8verwaltung die Aufgabe erwachſen, viele und große Übelſtände zu
beſeitigen, die durch Bewilligung größerer Geldmittel nicht alle au83» dem Wege
geräumt werden können. = Zur Litteratur: Giebe, Königl. Regierungs5-
und Schulrat, Verordnungen betr. das geſamte Volksſchulweſen in Preußen
nebſt ausführlichen Lehrplänen für die 1--6 klaſſige Shule. Gr. 8. Düſſel-
dorf 1881, Shwann. X& 12. Keller, Fr. Ed. , Geſchichte des preußiſchen
Volksſ Die öffentlihen Volksſhulen in Preußen (einſchließl. Mittel- und höhere
Mädenſ und fachlihen Geſamtaufwendungen im Jahre 1878. Quentli<. Berlin.
1882. & 4. Eine genaue Darſtellung der Kulturkampfmaßregeln finden wir
auch in Deutſ 1881/84. XA 6.
R.
Realſchule (Bd. IV, 144). Die Realſchule hat ſich in ihren verſchiedenen
Formen einen Plaz an der Seite der klaſſiſchen Bildungsanſtalten errungen,
und der große Aufſchwung, den dieſelbe genommen , der zahlreiche Beſuch der=
ſelben war für die Regierungen das beſte Zengnis für deren Notwendigkeit.
Daher erklärte auFH der preußiſche Miniſter des Kultus und des Unterrichtes,
von Goßler, im Landtage von 1882, als es fich um den Aufwand für
die höheren Lehranſtalten handelte: „Die Unterſcheidung von Realſchule und
Gymnaſium iſt als ſachlich begründet und durc< die Erfahrung bewährt , auf-
re

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.