Steiermark. == Taubſtummenunterricht und Taubſtummenanſtalten. 3309
127 nicht. Kein weltlicher Lehrer erteilt Religionsunterriht. An 633 Sulen
wird Turnunterricht, an 374 Unterricht in den weiblichen Handarbeiten erteilt.
An 298 Sdulen beſtanden Schulgärten, an 649 Scülerbibliotheken. Außer-
dem wurden nog an 90 Schulen Unterricht in der Bienenzucht und an 20
Schulen Unterricht in der Seidenraupenzuht erteilt. Über die Schulgärten |.
S. 317. Es beſtanden 8 Kinderbewahranſtalten, 16 Kindergärten, 18 gewerb-
lihe und 31 landwirtſhaftlihe, mit Volksſchulen verbundene Fortbildungs-
ſhulen , 2 Rettungsanſtalten und 1 Taubſtummeninſtitut. Für das höhere
Schulweſen beſteht eine Univerſität, das 1811 von Erzherzog Johann gegrün=-
dete Joanneum (eine polytechniſche Schule), eine biſchöfliche Lehranſtalt in
Marburg, vier Staat8gymnaſien, in Marburg, Cilli und Graz (2); Realgym-
naſien in Leoben und Pettau , Oberrealſhulen in Graz und Marburg, eine
Baugewerbſchule in Graz. -- Eine beſondere Erwähnung verdient der Her-
magora8-Verein, welcher 1882 8385 Mitglieder zählte, von denen jedes
jährlich einen Gulden bezahlt. Dafür erhält es jährlich 6 floveniſche Bücher im
Umfang von 66 Bogen. Der Verein hat den Zwe>, unter den „Windiſchen“
die ſloveniſche Sprache durc< Leſung von guten Büchern zu erhalten.
T.
Taubſtummenunterricht und Taubſtummenanſtalten (Bd. IV, 559).
Die Zahl der Taubſtummen ſcheint der allgemeinen Anſic ſondern zugenommen zu haben. Auf dem 3. internationalen Taubſtummen-
lehrer-Kongreß zu Brüſſel (1883) wurde die Zahl der Taubſtummen auf der
ganzen Erde auf 1 Million geſchäßt, von denen 800,000 ohne jeden Unter-
ri ſeine Richtigkeit haben, fo iſt do< ſicher, daß in den letzten zehn Jahren außer=
ordentlich viel für ſolche Unglüliche geſchehen iſt. Nicht nur wurden die ſchon
beſtehenden Anſtalten erweitert, es wurden auc< 72 neue Anſtalten gegründet,
nämlich 1 in Frankreich, 9 in Preußen, 3 in Bayern, 1 in Sachſen, 1 in
Württemberg, 1 in Baden, 1 in Elſaß, 1 in Lothringen, 1 in Luxemburg,
2 in Oſterreich, 2 in der Schweiz, 2 in Italien, 2 in Dänemark, 7 in Schwe-
den, 3 in Norwegen, 9 in Großbritannien und Jrland, 1 in Kanada, 18 in
den Vereinigten Staaten , 2 in Japan, 2 in Mexiko, 1 in Neuſeeland, 1 in
Auſtralien, 1 in Rußland. -- Unter den Methoden hat die deutſ (die Sprach= oder Artikuliermethode) den Sieg davon getragen, und wird die-
jelbe in 248 von den beſtehenden 412 Anſtalten betrieben, während die reine
Gebärdenſprache nur no< in 28 Anſtalten den Platz behauptet hat, und in
den übrigen 136 Anſtalten eine gemiſc in Bd. IV, 579 ebenfalls das Wort geſprohen haben. Allein dieſe gemiſchte
Methode, die Vereinigung der Gebärden- und der Artikulation8ſpra faſt allgemein verworfen und ſogar als ſchädlich bezeichnet, da ſie den Zöglingen
die Laſt auflegt, ein doppelte3 Syſtem zu lernen. Jn allen Anſtalten Deutſch-
lands, Oſterreihs8, der Shweiz und Jtaliens iſt die Artikulationömethode die
einzige Methode, welche zur Anwendung kommt. -- Die Fragen, welche gegen=
wärtig auf dieſem Gebiet erörtert werden , betreffen hauptjächlich den Scul-
zwang, die Dauer der Unterrichtszeit , die Zahl der Schüler in einer Klaſſe,
das Internat, die Bildung der Taubſtummenlehrer und die einheitliche Beauf-
ſichtigung ſämtliher Anſtalten eines Landes. Ein großer Mißſtand iſt, daß
die Kinder in gar ſo verſchiedenem Alter in die Anſtalten gebra Glaubt man einen Schulzwang bei den vollſinnigen Kindern ausüben zu dür-
fen, ſo iſt dies gewiß ebenſo gerehtfertigt bei den bildungsfähigen Taubſtummen,
und verlangt man eine Bildungszeit von acht Jahren für vollſinnige Kinder,
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