Zeit, freie. --- Züchtigung, körperliche. 383
ſtändig aufwiegen. 3) Bei einer ſolchen Minderung auf 24 Stunden wöcent-
lich iſt es dann auch möglich, eine angemeſſene Unterricht3zeit zu wählen.
Gegenwärtig liegt die Unterricht8zeit ſo zwiſchen den Tagesſtunden, daß der
ganze Tag zerſ ſtunden auf 10--12 und 4--6, ſo fallen eine ganze Reihe Mißſtände weg.
Der Schüler kann ſich vorbereiten unmittelbar vor dem Unterriht und zwar
Sommers und Winters am hellen Tage, und fallen alle Nachtarbeiten weg.
Allerdings müßte man in den Wintermonaten den Abendunterri geben, allein die dadurc in geſundheitliher Hinſicht fich ergeben würde. Es müßten eben jene Lehr-
gegenſtände auf den Vormittag verlegt werden, bei welchen geſchrieben oder die
Scultafel benüßt werden müßte. Bei einer zwe>mäßigen Beleuchtung in
einer öffentlichen Anſtalt wird aber das Auge viel weniger angegriffen, als
durc< die ſc hinein ihre Aufgaben lernen müſſen. Von 6 Uhr an abends gehören Lehrer
und Schüler ihren Familien an, und können im Sommer ſpazieren gehen,
turnen, baden, ſ größeren Wiſſenstriebe beſeelt find, bieten dieſe freien Abende eine unvergleichliche
Gelegenheit , noFZ in den Fächern ſi< auszubilden, zu denen Anlage und
Neigung ſie hinzieht. Dürfen wir nun auch nicht hoffen, daß unſere Vor-
ſchläge von ſeiten der Behörden in Erwägung gezogen werden, ſo möchten doch
vielleiht manche Freunde der Schule zur Erwägung angeregt werden.
Züchtigung, körperliche (Bd. IV, 880). Die körperliche Züchtigung der
Schulkinder, welche in einzelnen Staaten, 3. B. Frankreich, Jtalien, Oſterreich,
unterſagt iſt, findet in der alten und neuen Welt wieder mehr Verteidiger.
Selbſt in dem republikaniſ körperlichen Züchtigung in Anſprucß genommen und hat der Pädagogiſche Ver-
ein von Cincinnati 1881 die Theſe aufgeſtellt : „Da3 Elternhaus kann ſich der
körperlihen Züchtigung heute no< nicht enthalten und ebenſowenig die Schule.“
In Oſterreich, wo den modernen Erziehungsideen der weiteſte Spielraum
gelaſſen wurde, beginnt man ebenfalls wieder einzulenken und hat der
Wiener „Pädagogiſche Verein“ ganz dieſelbe Theſe aufgeſtellt. Im Deutſ Reiche wurde dieſelbe nie abgeſchafft und irrt ſich Lindner, wenn er
meint, daß dies in Baden der Fall ſei (Handbuch u. d. A. körperliche
Züchtigung, S. 448). Allerdings enthalten die meiſten Sdulgeſehgebungen
genaue Beſtimmungen, welche den Mißbrauch des Züchtigungsrehtes verhindern
ſollen. Am weiteſten dürfte hierin Bremen gehen, in deſſen Schulen die
Züchtigung unter gewiſſen Vorausſezungen zwar erlaubt iſt, das Züchtigungs3=-
inſtrument jedoH während des Unterrichtes eingeſchloſſen ſein muß, die Strafe
nur am Ende der Schulſtunde vollzogen werden darf und jede Exekution ge
bucht werden muß. Peſtalozzi mit feinem Ausſpruch : „Cine Maulſcelle
zur rechten Zeit iſt gar nicht unrecht,“ würde in ſämtlichen deutſchen Staaten
gemaßregelt werden. Doh iſt e38 allgemeine Anſiht in Deutſchland und die
Gerichte bekennen ſich ebenfalls dazu, daß dem Lehrer ein Züchtigung3re ſtehe, und daß dieſes ein dem väterlichen Züchtigung5re Dabei ſind jedoH die Schranken, innerhalb welcher der Lehrer das Züchtigung3-=
recht ausüben darf , viel enger gezogen, und es iſt notwendig, ſich mit den
Beſtimmungen des Strafgeſezbuc lichen recht3gültigen Erflärungen des Reichsgerichtes bekannt zu machen, um
nicht, wenn auh nur von heiligem Eifer hingeriſſen, dennoh dem Strafrichter
zu verfallen, und dies um ſo mehr, als man im Hinbli>e auf einzelne Ent-
ſheidungen von Untergerichten irre geführt werden könnte. Das Strafgeſeß-
buch ſagt aber in 8 223: „Wer vorſäßlih einen andern körperlich mißhandelt

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