88 Deutſche Schulbildung. =“ Dupanloup, Felix.
ebenſo die niedrigſten und erhalten Lehrer nah 50jähriger Dienſtführung ſehr
oft nur 300 „H In Oſt- und Weſtpreußen haben ſich die Verhältniſſe, wenn
auch nicht viel, doch einigermaßen gebeſſert, was dem Umſtande zu verdanken
iſt, daß die Regierung Hilfsſeminare und Nebenkurſe errichtete, ſo daß 1881 Oſt-
und Weſtpreußen 631 und 553 Seminariſten hatte, gegen 409 und 282 im Jahre
1870. Au in Poſen ſtieg die Zahl der Seminariſten von 323 (1870) auf
683 (1881). In Poſen machen die utroquiſtiſhen Schulen viele Schwierig»
keiten. C3 kommen Tauſende von Kindern, die nur polniſc< reden hörten und
zu Hauſe fortwährend hören, zur Schule und ſoſlen Deutſch lernen, erwerben
ſich höhſt mangelhafte Kenntniſſe, die gleich wieder vergeſſen ſind. Dieſe un=
leugbaren Thatſachen ſind ebenſo viele Fingerzeige für die Leiter des Scul-
weſens, um einerſeit3 Vorurteile zu beſeitigen , anderſeits den wahren Übels
ſtänden entgegentreten zu können.
Dupanloup, Felix, wurde am 3. Januar 1802 zu St. Felix, einem
kleinen Dorfe in der Nähe von Chambery in Savoyen, geboren. Nachdem er
den erſten Unterricht von ſeinem Oheim, Pfarrer in Chambery , erhalten, ab-
ſolvierte er zu Paris das „Kleine Seminar St. Nicolau3-du-Chardonet“, wo
er ſid in dem damaligen Erzbiichof von Paris einen dauernden Gönner er-
warb. 1820 wurde Dupanloup in das „Große Seminar von St. Sulpice“
aufgenommen, und hier legte er durc< ſeinen eiſernen Fleiß und ſfeime von
glänzenden Reſultaten gekrönten Studien den Grund ſeiner jpäteren hervor=
ragenden Steſlung. Noch als Seminariſt von St. Sulpice trat er in einen
innigen Verkehr mit dem Prinzen Rohan, dem ſpateren Kardinal-Erzbiſchof von
Beſancon. 1825 wurde er zum Prieſter geweiht. Bald gewann er troß ſeiner
Jugend durc ſeine reichen Kenntniſſe und ſeine Beredſamkeit bedeutendes An-
ſehen. Obgleich der Erzbiſchof von Paris und viele hervorragende Katholiken
den Wunſ< hatten, ihn in einer Stellung zu ſehen, in welcher feine glänzende
Beredſamkeit zur Geltung gelangen könne, erbat er fi< 1835 die beſcheidene
Stoſle eines Studien-Aufſehers in dem „Kleinen Seminar St. Nicolas“. Von
da an widmete er ſich faſt ausſ vielen Schriften auf dieſem (Gebiete, in denen er den verderblichen Lehren der
Nihiliſten und den Nachfolgern des Verfaſſers des „Emile“ gegenübertrat, ver-
breiteten ſeinen Ruf als katholiſchen Pädagogen weit über die Grenzen Frank=-
reic<3 hinaus. 1838 wurde er Generalvikar von Paris und bekleidete dieſe
Stellung bis zur Erhebung d'Affre's auf den erzbiſchöflichen Stuhl von Paris.
Dieſer Erzbiſchof betraute ihn mit einer wichtigen Mitſion nach Rom, und hier
erwarb ſich Dupanloup in hohem Maße die (Gunſt des Papſtes und des heili-
gen Kollegiums. 1841 wurde er Profeſſor der geiſtlichen Beredjamkeit an der
Sorbonne. Als dann 1845 in den Kammern die Unterrichtsfrage auftauchte,
veröffentlicte er zahlreiche Flugſchriften und Briefe über dieſe Frage, infolge
deren er 1849, als nach der Revolution Fallonx das Unterrichtöminiſterium
übernahm, in die Kommiſſion berufen wurde, welche ein neues Unterrichtögeſet
ausarbeiten ſollte. Am 6. April 1849 wurde er zum Biſchof von Orleans
erwählt und am 9. Dezember desfelben Jahres zu Paris geweiht. Auch in
ſeiner neuen Stellung widmete er ſich in vorzüglicher Weiſe der Jugenderziehung,
ſo daß das von ihm gegründete Seminar bald alle ähnlichen Anſtalten über=
ragte. Als (Gaume in einſeitiger Weiſe die alten Klaſſiker aus den Schulen
verbannen wollte, trat Dupanloup entſchieden in bedeutenden Streitſchriften
gegen ihn auf, was ihm einen Siß in der Akademie verſchaffte. Dupanloup
ſtarb am 12. Oktober 1878 im Alter von 76 Jahren auf dem Schloſſe La=-
combe, wohin er ſic< zu ſeinem Freunde Albert du Boys begeben hatte, um
Linderung in ſeiner Krankheit, einer Herzbeutel-Entzündung , zu finden. Die
Hauptſchrift Dupanloup's iſt das drei Bände ſtarke Werk „Die Erziehung“.
(Eine autoriſierte Überſezung erſchien 1867 bei Kirchheim in Mainz. -4 11, 50 Z.)

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.