Dupanloup, Felix. 89
In Frankreich erlebte dasſelbe in kurzer Zeit 17 Auflagen. Wie der Verfaſſer
felbſt erzählt, iſt dasſelbe aus einzelnen Blättern zuſammengeſetzt, die der Ver-
faſſer in jener Zeit niederſchrieb, in welcher er ſih hauptſählih mit Erziehung
beſchäftigte. Da der Titel des Werkes ſehr allgemein iſt, ſo iſt ein Eingehen
auf den Inhalt des Werkes geboten. Dupanloup geht von dem Grundſaße
aus, daß es unſerer Zeit an Männern fehle, und forſ dieſes Mangels. Er findet, daß, wenn Gott auch welche gab, die Erziehung
dieſelben wieder vernichte, und giebt nun die Grundlage und Mittel zu einer Er=
ziehung, durch welche allein die geſunkene Geſellſchaft wieder emporgerichtei
werden kann. Der erſte Band handelt von der Erziehung im allge-
meinen und den verſchiedenen Erziehungsmitteln, aber auch von dem Kinde
und von der Ahtung, welche man deſſen Würde und deſen Freiheit ſchuldig
iſt. Zugleich wird das Verhältnis feſtgeſtellt, in dem die Erziehung zum Untr-
richte ſteht. Es werden die verſchiedenen Erziehungsarten oder, wie ſac licher geſagt ſein ſollte, die Erziehung zu den verſchiedenen Berufsarten vorge-
führt. Daß die Erziehung zum Prieſtertume vorzüglich in's Auge gefaßt wird,
iſt begreiflich, und darum ſind zwei Kapitel einer glänzenden Rechtfertigung der
Knabenſeminarien gewidmet. Im zweiten Bande, der von der Autorität
und der Ehrfur den Erziehern ſpricht, tritt die geiſtlihe Erziehung ſchon ſpezieller hervor ; und
obwohl noc< das Leben in der Familie und in Anſtalten im allgemeinen den
Hauptinhalt bildet, befinden wir uns am Ende de3 Bandes doch ſ Knabenſeminar ſelbſt. Der dritte Band endlich ſpri der Erziehung. Es ſind dies die Vorſteher, Direktoren , Superioren, Präs=
fekten, Profeſſoren und Beichtväter. Wir ſehen alſo, daß das Werk zwar von
den allgemeinen Prinzipien der Erziehung ausgeht, den Kreis der Erziehung
aber immer mehr verengert, bis es zum Spezialwerk für die geiſtliche Erziehung
wird. Demungeachtet iſt es für alle Erzieher, nicht blo3 für die geiſtlichen,
von unſchäzbarem Werte; denn der Verfaſſer läßt tiefe BliFe in das Weſen
der franzöſiſchen Erziehung werfen, weiß die verſchiedenartigſten Fäden zujammen-
zufaſſen und die entgegengeſetzteſten Geſichtspunkte in Beziehungen zu bringen.
Der geiſtliche Erzieher ſchöpft freilich den größten Nuten daraus. Aber auch
für jeden, der ſich für öffentlihe Zuſtände intereſſiert, iſt es von größtem „Zn
tereſſe, zu erſehen, mit welcher Hingebung und Sorgfalt der franzöſiſche Klerus
gebildet wird. Von dieſem Buche erſchien ein Au8zug, enthaltend das 3. und
das 4, Buch des 1. Teiles und das 3. Buch des IIL Teiles unter dem Titel :
Das Kind. Ratſchlüſſe für Eltern und Erzieher. (Mainz 1869. H 3.)
Da Der Überſeßer es unterließ, auf dem Titelblatte zu bemerken, daß dieſe
Schrift nur einzelne Kapitel aus dem größeren Werke bietet, ſo ſind viele der
Meinung, es ſei eine andere ſelbſtändige Arbeit und finden ſich beim Kaufe enttäuſcht.
Die ausgewählten Abſchnitte behandeln das Kind von ſeiner pſychologiſchen
Seite, die ſittliche Natur de3 Kindes, wie deſſen Mängel und Shwädcen., Ein
Band Briefe Dupanloup's, welche unſeres Wiſſens nicht in das Deutſche über-
ſezt wurde, führt den Titel: „Über die Studien, welche dem Manne in der
Welt für die Mußeſtunden förderlic< ſein können. Ter Beifall, den dieſe Briefe
fanden, und die an Dupanloup gerichteten Aufforderungen bewogen denſelben,
auch ſeine Gedanken über die weiblihe Erziehung in 31 Briefen zuſammen-
zufaſſen und ſo entſtand: Die Mädhenerziehung. (Autoriſierte Überſezung
von (Cl. Moſthaf, Kirc auc< „Der Scul-Unterricht in Preußen“ (überſezt von C. Sickinger, 2. Aufl.
Mainz 1873. 50 3.) einer eingehenden Aufmerkſamkeit von Dupanloup ge=
würdigt wurde und ſuchte er durch dieſe Schrift auf eine Verbeſſerung des
Volköunterrichts in Frankreich hinzuwirken. Auf Wiederherſtellung des Familien-
lebens zielte „Die

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