DIE HEIMSTÄTTE
Monatsschrift für das
Organ des Heimstättenamtes der
deutschen Beamtenschaft
e.V.
BERLIN NW87


Heimstättenwesen
Organ der Beamtenbausparkasse
Heimstättengesellscqhaft der
deutschen Beamtenschatft
m.b.H.
LESSING-STR. 11
HERAUSGEBER: JOHANNESLUBAHN
Verlagsorit: Potsdam



Nummer 9

September 1933

10. Jahrgang



Vorschlag für Bodenbeschaffung und Finanzierung
von Kleinstheimstätten
Johannes Lubahn.
Der von mir ſeit bald zwei Jahren vertretene Bor=
ſI heimſtätten iſt von mehreren hundert Sachverſtändigen
günitig beurteilt worden. Au in der Praxis gewinnt der
Vorſ wenn hier und dort ausbaufähige Kleinſtheimſtätten er=
richtet werden, jondern wir müſſen, ſchon in bevölkerungsz5=
politiſc taujende von ſolchen Kleinſtheimſtätten errichtet werden
können.
Mein noc lichter Geſetzesvorſt lag zur Beſchaffung von Arbeitsge=
legenheit dur< Errichtung von Kleinſtheimſtätten ſieht
in erſter Linie die Beſchaffung billigen Bodens vor. Dice
Bereitſtellung größerer Geldmittel zum Bauen von Heim«=
ſtätten, ohne Löſung der Bodenfrage, führt zur Berteue=
rung des Baubodens, wenn nicht die Gemeinden aus
eigenem Beſitz den Boden bereitſtellen können. Meiſt
berichten aber jezt die Gemeinden, daß es ihnen nicht
mehr möglich ſei, Gemeindeboden zur Verfügung zu
jtellen. C8 muß auf Boden, der in Privathand ſich b2=
findet und leider häufig noen ver=
wendet wird, zurü&gegriffen werden. Kleinſtheims-«
ſtätten bedingen billigen Boden. Wenn für
eine Heimſtätte (Bau und Boden) nicht mehr als
4000 Mark gezahlt werden ſollen, iit dur< die Berteu2=
rung des Bodens die tehniſc mit den verringerten Geldmitteln einfach meiſt niht mehr
möglich.
Wein GeſetzeSvorſ des „Ständigen Beirats für Heimſtättenweſen beim
ReichSarbeitsminiſterium“, zum Teil der Beamtenſied=
lungsgverordnung vom 11. Februar 1924 entnommen.
Die früheren ReichsSregierungen haben ſeit 1920, ob=
wohl ſie die Grundlage des Geſetzentwurfes anerkannt
haben, aus Fur gewagt, für den Geſetze3vorſchlag des Ständigen Beirats
einzutreten.
Die Beamtenſiedlungs8verordnung vom 11. Februar
1924 enthält in 8 13 die Beſtimmung über Entſchädigung
bei Bodenenteignung in Form einer Rente. Die Be=
amtenſiedlungö3verordnung gilt nur für die abgebauten
Beamten. Die Uebertragung auf alle Kreiſe der Bes
völkerung iſt bei der heutigen Arbeitsloſigkeit nicht mehr
als recht und billig.
Finanzierung.
Die biSsherigen Finanzierungömethoden de3 Heims
jtättenbaues durch die Neichsregierung tragen den Cha-
rakter der Wohlfahrt. Zins und Tilgung waren nicht
n-< kufmänniſc>en Geſichtöspunkten cer2gelt. Jede Wohl-
fahrt hat für die Dauer ſ 129

hindert eine ordnung5mäßige, nag kaufmänniſchen
Grundſätzen geregelte Finanzierunz3. Wir müſſen dahin
kommen, daß die freie Wirtſchaft die Finanzierung
der Heimſtätten aus eigener Kraft vornehmen kann.
Mein Borſh allem dahin, daß die Gelder des freien Marktes
unbedingt ſichergeſtellt werden und Daß ſie in möglichſt
kurzen Friſten von den Geldgebern wieder zurüdgeholt
werden können. Nach meinem Borſ freien Markt aufgenommenen Gelder in ſpäteſtens
zehn Iahren dur die Siedler ſelbſt getilgt werden.
Der Rüdfluß der Gelder iſt alſo derart ſtark, daß die B2=
dürfniſſe der Geldgeber leicht befriedigt werden können.
Die ſtarke Amortiſation ſteht in vollem Wider-
ſpruce) zu den biSäherigen Maßnahmen. Sie iſt aber
unbedingt nötig bei der allgemeinen Geldknappheit.
Cine ſtarke Amortiſation iſt aber nur möglich bei
Kleinſtheimſtätten. Wie ich in meinem Vorſ rehnet habe, genügen monatlich 30,37 M. für 49% Zins
und eine zehnjährige Amortiſation eines Heimſtäiten=
darlehens von 3000 M. Dazu kommen für den ein«-
zelnen Siedler die Laſten für Verwaltung und g. F.
Bodenzins. Die genannten monatlichen * Abgaben ſind na=
türlich niht für den Erwerbsloſen gerehnet. Die meijten
BVollarbeiter ſind aber hierzu in der Lage. Zahlen
ſie doH in den meiſten Städten für ihre ungeſunden
Wohnungen no< eine höhere Miete. Wir müſſen zur
Bolksheimſtätte kommen, deren Laſten jeder be=
ſhäftigte Arbeiter, Angeſtellte und Beamte bequem tra
gen kann. Das iſt nur möglic< bei einer Kleinſtheim«
ſtätte, die auf billigem Grund und Boden errichtet
wird. Wenn dieſe Kleinſtheimſtätten von vornherein der
art errichtet werden, daß ſie ausbaufähig ſind, dann wird
eine Crweiterung der Heimſtätie nach Tilgung des Dar»=
lehen8 von den meiſten Siedlern mit Leichtigkeit vorge-
nommen werden können. Sollte bei den jetzt no beſchäftigten dur< Arbeitsloſigkeit eine Kürzung tchrer
Cinnahmen ſtattfinden, ſo iſt e8 durchaus möglich, ohne
den DarlehnsSgeber zu ſc Tilgungsſätze eintreten zu laſſen. Bei dem genannten
Betrag von 30,37 M. kommen durhſ<änittlih monatlich
allein 25 M. auf Tilgung! Dieſe Tilgung iſt ein Ber=
mögen3zuwa Welche Mittel ſoll das Neich bereitſtellen?
ES iſt durchaus möglich, zurzeit von großen Summen
Abſtand zu nehmen. Vorläufig würden 20 Millionen
Wark zur Gründung eines Reichskuratoriums
zur Durchführung meines Vorſchlages genügen. DaS
Reichskuratorium wird ſie mit deſen Mitteln beteiligen
an Heimſtätten-Unternehmun. en von Ge:neinden, öffents=
lihen KörperſcHhaften, Wohnungsfürſorgegeſellſchaften,
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