488 . Amtlicher Teil
Vrüfung.
S 10.
Die archivariſche Staatsprüfung beſteht aus
zwei Teilen: dem Ergebnis der praktiſchen Aus-
bildung, vornehmlich in dem dafür vorgeſehenen
Halbjahr, und der Abſchlußprüfung des Inſtituts
für Archivwiſſenſchaft und geſchichtswiſſenſchaftliche
Fortbildung. Die Prüfungsfommiſſion des Ju-
ſtitut8 ſeht fich aus Mitgliedern des Lehrkörpers,
Angehörigen der Archivverwaltung und Univerſitäts-
lehrern, zuſammen und wird auf Vorſchlag des
Generaldirektors der Staatsarchive, der den Vorſiß
der Kommiſſion übernimmt, von dem Preußiſchen
Miniſterpräfidenten und dem Reichsminiſter für
Wiſſenſchaft, Erziehung und BVolks8bildung beſtellt.

Ss 11,
Der Generaldirektor der Staat3arc ſißender der Prüfungsfommijſſion ſeßt die Prü-
fungstage feſt und leitet die Prüfungen. Er kann
Staats8archivreferendare, die das Ziel der .Au8-- - -
bildung no halben Jahre von der Prüfung zurüdſtellen.
Die Prüfſungs8gebühr beträgt 50 RM; ſie iſt
vor der Prüfung zu entrichten.
8 12.
Die Prüfung iſt eine ſchriftliche und eine münd-
liche. In der ſchriftlichen Prüfung hat der Be-
werber in drei halbtägigen Klauſuren je eine mittel-
alterliche lateiniſc zwei Schriftſtüke aus der neueren Zeit, eines in
deutſcher und eines in franzöſiſc zuſchreiben und nach aufgegebenen Geſichtöpunkten
zu behandeln. In einer vierten halbtägigen Klauſur-
arbeit ſind Fragen der Behördengeſchichte und des
Verwaltungsrechts zu beantworten. Die ſchrift-
lihen Arbeiten ſind unter Aufſicht eines Mit-
gliedes der Prüfung3skommijſſion zu fertigen.
8 13.
Eine Zulaſſung zur mündlichen Prüfung findet
nur ſtatt, wenn mindeſtens drei ſchriftliche Klauſur-
arbeiten genügen; andernſalls wird die Prüfung
abgebroHhen und unter Verfall der Prüſfungs-
gebühren für nicht beſtanden erklärt. Das münd-
liche Examen erfolgt in dauernder Anweſenheit
von wenigſtens zwei Mitgliedern der Kommiſſion
und ſoll ergeben, ob der Prüfling ſich die für den
wiſſenſchaftlichen Archivdienſt nötigen Kenntniſſe
in der Archivwiſſenſchaft, in der Methodik der
Geſchichtsforſchung, in den hiſtoriſchen Hilf8wiſſen-
ſchaften, in der Germaniſtik, Rechtswiſſenſchaft und
Wirtſchaſt8geſ hat ferner eingehende Kenntniſſe des national-
ſozialiſtiſchen Gedankenguts nachzuweiſen. Jn der
Regel iſt jeder Staatsarchivreferendar mündlich
einzeln zu prüfen.
8 14,
In der Archivkunde ſoll der Anwärter die Ent-
wicklungsfragen des abendländiſchen Archivweſens8,
die Organiſation und die Beſtände .der deutſchen
Archive kennengelernt haben.
Insbeſondere ſoll er den Aufbau des preu-
Biſchen Archivweſens beherrſ die Vertrautheit mit der hiſtoriſchen Geographie
der deutſchen weltlichen und geiſtlichen Territorien,
vornehmlich derjenigen, aus denen der preußiſche
Staat erwachſen iſt und deren archivaliſche Be-
ſtände ſich jeht in den preußiſchen Staat3arc befinden. |
Auch ſoll der Prüfling die Aktenfunde be-
herrſchen und gute Kenntniſſe in der Geſchichte
der Verfaſſung und Verwaltung Preußens, vor-
nehmliß des preußiſ ſiven. In der Quellenkunde zur deutſchen und
preußiſchen Geſchichte ſoll er die für den künftigen
Beruf nötige Beleſenheit auſweiſen.

8 15.
In den hiſtoriſchen Hilfswiſſenſchaften wird
verlangt:
1. in der Paläographie Vertrautheit mit der Ent-
Leſen und in der Zeitbeſtimmung von Schrift-
ſtüfen aus dem 10. bis 18. Jahrhundert,
Kenntnis der Syſtematik und Praxis der
Kürzungen;
2. in der Urkundenlehre gründliche Kenntnis der
Lehre von den Kaiſer- und Papſturkunden des
Mittelalters, des8gleichen der Lehre von den
Privaturkunden, Übung in den Methoden der
Vrüfung und Bearbeitung dieſer Schriftſtücke,
Vertrautheit mit dem Kanzleiweſen ſowohl
des Mittelalters wie der neueren Zeit;
3. in der Chronologie Kenntnis des mittelalter-
lichen Kalenderweſens und der Kalenderreform,
Sicherheit in der Handhabung der logiſchen Hilfsmittel;
4. in der Genealogie, Wappen- und Siegelkunde
enge Vertrautheit mit dem Stand dieſer
Wiſſenſchaften, ihren gegenwärtigen For-
ſchungsfragen und praktiſchen Aufgaben, und
Übung in der Handhabung der literariſchen
Hilfsmittel.
Bei der Brüfung in der Urkundenlehre ſind
Urfunden verſchiedener Zeit und verſchiedener
Herkunft vorzulegen, an denen der Prüfling in
Ergänzung der ſchriſtlihen Prüſung ausreichende
Kenntniſſe der lateiniſ auf dem Gebiete der Germaniſtik, vor allem der
mittelhoh- und mittelniederdeutſ weijen ſoll.
| gs 16.
Die Vrüfung in der Rechtswiſſenſchaft erſtre>t
ſic< auf die Feſtſtellung der Grundbegriffe der
Rehtslehre und foll den Beweis für hinreichendes
Wiſſen im Kirchenrecht, in der deutſchen Rehts3-
geſchichte ſowie im deutſchen und preußiſchen Staat3-
„und Verwaltungsrecht erbringen. Jn der Prüfung
iſt ferner das Wiſſen vom Weſen und Aufbau des
nationalſozialiſtiſchen Reichs feſtzuſtellen.
8 17.
- Auch in der Wirtſchaft8- und Sozialgeſchichte
ſoll der Prüfling ſeine Bekanntſchaft mit den Grund-
-wielung der Schrift, ſichere Fähigkeit im

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