90* Nichtamtlicher Teil
ſprehen, ohne weitere Aufnahmeprüfung in die
höhere Schule überführt.
Die muſikaliſ Chorgeſang und mit einer gediegenen ſtimmlichen
Ausbildung. Denn nur vom Geſang als der erſten
und natürlichen muſikaliſchen Betätigung geht ſo-
dann auc< ein natürlicher Weg zum IJnſtru-
mentenſpiel, das ja gerade in der Nach-
ahmung des Geſanges ſeine höchſte Vollendung
findet. Die inſtrumentale Ausbildung
ſteht zeitweiſe im Vordergrund, nämlich in der
Zeit, in der die Schüler mutieren. Sobald ſich
bei einem Schüler die erſten Zeichen ſtimmlicher
Mutation bemerkbar machen, ſeßt eine längere
ſtimmliche Ruhepauje ein, während der eine
intenſivere inſtrumentale Ausbildung exr-
folgt. Hierbei wird ſich zeigen, daß der bereits
ſtimmlih und rhythmiſch - muſifaliſ< erzogene
Schüler u Senta überraſchend ſchnellere
Fortſchritte, ſowohl techniſcq wie im Vortrag,
macht und über die äußere Technif hinaus zum
eigentlich Muſikaliſchen, zur Seele des Kunſt-
werkes, vordringt. Sobald die Stimme ſich wieder
feſtigt, werden die ſtimmlichen Übungen in vor-
jihtiger Weiſe wieder aufgenommen, und damit
wird im Muſiſh bracht werden, daß die ehemals ſchöne Knaben -
ſtimme bei ſorgfältiger Behandlung ſich zu einer
ebenſo ſchönen M ännerſtimme entwidelt, ein
Problem Übrigens, dem bisher leider viel zuwenig
Bedeutung beigemeſſen wurde.
Neben der ſtimmlichen und inſtrumentalen Aus8-
bildung ſind im muſikaliſ Muſiſhen Gymnaſiums die allgemeinen muſik-
theoretiſchen Fächer, wie Allgemeine Muſiklehre,
Grundlagen der Harmonielehre und Modulation,
Gehör- und Muſikdiktatübungen, Grundlagen - des
Kontrapunktes, Geſchihte der deutſchen Muſif,
namentlich des deutſchen Volksliedes, ſowie die-
Erläuterungen der wichtigſten muſikaliſ vertreten.
Der Klaſſenunterric faßt auf allen Stufen täglih eine Unterricht8-
ſtunde; der Einzelunterricht erſtret ſich
neben der Stimmbildung auf jugendgeeignete,
für künſtleriſche Betätigung in Frage kommende
Inſtrumente, ferner je nag Begabung auch auf
Muſiklehre und Kompoſition.
Der wiſſenſ Muſiſh Deutſchen Oberſchule für Knaben. Die wiſſen-
ſchaftlihen Fächer werden um die muſiſche Fach-
gruppe als Kerngebiet ſinnvoll gruppiert und
ſtundenplanmäßig ſo eingeteilt, daß troß der
Führung der künſtleriſchen Ausbildung die wiſſen-
ſchaftliche Reife verbürgt wird.
E3 iſt ſelbſtverſtändlih, daß der Geſamtplan
eine innige Zuſammenarbeit aller Fachgebiete vor-
ſehen muß. Der Muſiklehrplan ſchließt ſich dem
Sinne nach an die für die übrigen höheren Schulen
vorgeſehenen Richtlinien an. Er iſt gemäß den
Arbeitöauſgaben, die dem Muſiſchen Gymnaſium
beſonders zugedacht ſind, alſo nach der Seite einer
repräſentativen Chorarbeit im In- und Ausland,
der künſtleriſchen Sprecherziehung ſowie des Zu-
ſammenwirkens von Muſif und Bewegung, er-
weitert worden.
Auch der körperlichen Ertüchtigung iſt
ſowohl im Rahmen des Geſamtlehrplanes als auch
außerhalb dex Schule weitgehendſt Rechnung ge-
tragen; eine große Sporthalle und rieſige Sport-
plaßanlagen bieten die Möglichfeiten zur Aus-
übung jeder Sportart. Sport- und Schwimmhalle
ſowie die Übrigen Anlagen gruppieren ſich um
die Anſtalt.
Die Ausbildung im Muſiſchen
Gymnaſium ſc gymnaſtij<-wiſſenſchaftlichen Reiſeprüſung ab, die
den Zugang zu jedem ſonſtigen Beruf
ermöglicht, im beſonderen aber die Zulaſſung
zum künſtleriſchen Studium, an eine Hoch-
jIhule für Lehrerbildung und an eine Hoch-
Ihule für Muſif und Muſikerziehung, erleichtert.
Abſolventen dieſer Anſtalt, die Muſik als
Lebensberuf ergreifen wollen, würden für die
muſikaliſchen Hochſchulen das auserleſenſte
und denfbar beſten38 vorgebildete
Schülermaterial darſtellen, das nun auch durch
eine gediegene wiſſenſchaftlihe Vorbildung jene
Eignung auſweiſt, die für einen zur Führung im
Muſikleben Beruſenen unerläßlich iſt. Diejenigen
Abſolventen aber, die ſich allenſalls einem
wiſſenſ durch den Muſikunterricht eine Erweiterung des
Bildungskreiſes erſahren, die für ihren künftigen
Beruf oft von größter, ja entſcheidender Bedeutung
werden kann. Daraus ergibt ſich alſo, daß das
Muſiſ oder Artiſtenj Bildungsanſtalt, in der die Muſik als wichtigſtes
Erziehungs8mittel im Mittelpunkt der Geſamt-
erziehung ſteht.
Die Bezeichnung „Muſijſches Gymnaſium“ be-
deutet, daß an dieſer Bildungsanſtalt eine organiſche
Syntheſe der deutſch-völkfiſCchen Kulturwerte und
der artverwandten kulturellen des klaſſiſchen
Hellenentums in Kunſt, Philoſophie und Gymnaſtik
geſchaffen werden ſoll.
Um die organiſche Syntheſe der verſchiedenen
Lehrgebiete und das Reiſwerden einer muſiſchen
Lebens8haltung bei den Jugendlichen zu erzielen,
iſt die Internats8erziehung als Form
einer leben3nahen Arbeit8gemeinſchaft der Zöglinge
untereinander und mit ihren Erziehern
vorgeſehen. Die Schulung erfolgt in jugend-
gemäßer Form, um ohne Überlaſtung und BVer-
ru das Ziel der AuSsbildung ſtufenweiſe zu
erreichen.
Die volle zehnklaſſige Anſtalt erſaßt 310 Schüler,
die in drei Hundertſchaften -- dieſe wiederum in
Züge und Gruppen -- aufgeteilt ſind. Die Schüler-
heime ſind naMq den Vorſchriſten des Reich3-
erziehungsminiſters (vgl. Auffaß von DOber-
regierungsrat Dr. He>el im michtamtlichen Teil
des RMinAmts3blDtſchWiſſ. Heft 4 S. 39) auf-
gebaut. |
Die für die Aufnahme in das Muſiſche
Gymnaſium in Betracht kommenden Schüler werden
in einem umfaſſenden Aufnahmeverſahren
aus dem Reichsgebiet ſeſtgeſtellt. Für die Aufnahme

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