132* Nichtamtlicher Teil

Die Räume für den naturwiſſenſchaftlichen Unterricht
nach dem amtlichen Raumprogramm für die Höheren Schulen.
Von Dr. Lip3 und Dr. Sharf, Staatlihe Hauptſtelle für den naturwiſſenſ Das Jahr 1938 brachte im höheren Schulweſen
neben der Neuordnung vom 29. Januar 1938
(RMinAmtsblDtſ Unterricht in der Höheren Schule --) auch ein
Raumprogramm vom 21. April 1938 (RMin.-
AmtsblDtſchWiſſ. S. 238), das im Zuge der Ver-
einfahung einen Regelbedarf an Räumen für
die Höhere Schule feſtlegt. In dieſem Programm
ſindet man in der Hauptſac der einzelnen Räume. Über die Anordnung der
Räume zueinander, die innere Ausgeſtaltung oder
ihre innere Einrichtung iſt abſichtlich nichts geſagt.
In einem Kommentar über die allgemeinen Richt-
linien betont Oberregierungsrat Dr. He>el (1),
daß „die Anordnungen des an ſich verbindlichen
Raumproögramm38 aus ſeinem Geiſt, nicht aus
ſeinem Buchſtaben heraus zu verſtehen ſind“. Es
hatte ſich ſchon vor Erlaß des Raumprogramms8
für die Einrichtung der naturwiſſenſchaftlichen
Räume als notwendig herausgeſtellt, die Stelle
de8 Reich3erziehungsminiſteriums, die ſich ſeit
Jahren mit der Verwirklichung der vom Miniſterium
gegebenen Anordnungen auf naturwiſſenſchaft-
lichem Gebiete beſchäftigt --- die Staatliche Haupt-
ſtelle für den naturwiſſenſchaftlichen Unterricht =,
dur; den Erlaß E Ile 236 11 Ela, EIb
(RMinAmtsblDtſchWiſſ. 19837 S. 382) mit der
Aufgabe zu betrauen, bei der Aufſtellung von Um-
und Neubauentwürfen für die naturwiſſenſchaft-
lichen Unterricht3zxäume und bei der Ausgeſtaltung
der Lehrmittelſammlungen für dieſen Unterricht
entſcheidend mitzuwirken. Nach der BVeröffent-
lihung des Raumprogramms hat die Hauptſtelle
in Fortſezung ihrer in dem obenerwähnten Erlaß

angeführten Tätigkeit Richtlinien für die Ein- -
richtung dieſer Räume ausgearbeitet, um ſo den
Schulen und ihren Unterhalts8trägern nicht nur
bei Neubauten, ſondern auch bei größeren Er-
weiterungsbauten Anhalts8punkte zu liefern.
Es ſeien im folgenden kurz die im Raum-
vrogramm geforderten Räume noch einmal auf-
geführt :
1 Lehr- und Übungs8raum für Biologie, etwa
6X 12 m,
1 Sammlungs- und Vorbereitungsraum für Bio-
logie, etwa 6x9 m,
1 Lehr- und Übungsraum für Phyſik und Chemie,
etwa 6xX12 m,
1 Sammlung8- und Vorbereitungsraum für
Phyſit, etwa 6x9 m,
1 Sammlungs- und Vorbereitungsraum für
Chemie, etwa 6x6 m,
1 Werkſtatt mit Dunkelkammer, etwa 6x6 m
(kann mit den Werkräumen vereinigt werden).
Hierbei treten zwei ganz neue Einſtellungen
hervor.
1. Es wird in den naturwiſſenſchaftlichen Fächern
grundſäßlich zwiſchen einem Lehr- und Übungs5raum
und einem Sammlungs8- und Vorbereitungsraum
unterſchieden, d. h. in dem Lehr- und Übungsraum
ſollen neben dem Demonſtrationsunterricht auch
Schülerübungen im Klaſſenverband, und zwar auf
allen an dieſem Unterricht beteiligten Klaſſenſtufen,
abgehalten werden. Es heißt in „Erziehung und
Unterricht“: „Der Unterricht iſt auf allen Stufen
weitgehend aufder Selbſttätigkeit des Schülers
aufzubauen. Schülerübungen ſind unentbehrlich.“
(Biologie, Der Weg, S. 143.) „Gerade in dem
„Vandgemeinwerden“ mit dem Stoff bei den
organiſch einzubauen ſind, liegen ſtarke erzieheriſche
Möglichkeiten“ (Chemie, Der Weg, S. 166). „Die
Schülerübungen ſollen in den Unterricht organiſch
eingebaut werden“ (Phyſik, Der Weg, S. 176).
Der Unterrichtsraum muß daher die beiden Forde-
rungen erfüllen:
a) Der gewöhnliche Klaſſenunterricht mit ein-
geſtreuten Schauverſuchen muß darin ab-
gehalten werden können.
b) An den Pläßen der Schüler müſſen ſich ein-
fache Verſuche von den Schülern ſelbſt aus-
führen laſſen.
2. An einzügigen Schulen ſind für die natur-
wiſſenſchaftlihen Fächer 2 Lehr- und Übungs-
räume bewilligt worden, und zwar iſt Phyſik mit
Chemie räumlich vereinigt worden, während
Biologie eine eigene Fachklaſſe erhält. Erſahrungen
bei der Bauberatung zeigen, daß für dieſe räumliche
Löſung nicht immer das notwendige Verſtändnis
aufgebracht wird. Oft wird ein Zuſammenlegen
von Biologie und Chemie gefordert. Obgleich
Dr. Heel in ſeinem Aufſaß (1) bereits ausführlich
die Gründe der Vereinigung von Phyſik und
Chemie dargelegt hat, muß hier no< einmal aus8-
drücklich betont werden, daß es vor allem vom
rein ſtundenplantechniſc einzig mögliche Weg iſt, mit nur 2 Fachklaſſen
auszukommen. Das Fa mit der größten Stunden-
zahl, die Biologie, muß ſelbſtverſtändlich in erſter
Linie mit einem eigenen Unterrichtsraum bedacht
werden. Die beiden Fächer mit der geringeren
Stundenzahl, Chemie und Phyſik, können ſtunden-
planmäßig leichter in einem Raum untergebracht
werden. |
Dann ſind es aber auch innere Gründe, die
für eine Zuſammenlegung von Chemie und Phyſik
unter Abtrennung der Biologie ſprechen. Die
Beſtimmungen von „Erziehung und Unterricht“
verlangen eine enge Verbindung zwiſchen Phyſik-
und Chemieunterricht; die Art und Weiſe des
Unterricht3, die dabei gebrauchten Hilfsmittel und
vieles andere ſtimmen bei Chemie und Phyſik
in weit größerem Maße überein als bei dex Kom- -
bination Biologie und Chemie, die ſich auf die

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