Heft 19
Nichtamtlicher Teil-
911*

Skimmen aus Praxis und Wiſſenſchaft
| (Nichtamtlicher Teil) |
Inhalt Zeit
. etie
1. Ergebni3 der Wettbewerbe um den Ludwig-Prandtl-Preis 1939 und den Lilienthal-Preis 1939. 011
Von. Wilhelm Hoff
2. Bücher und Zeitſchriftm ..............
25.02.20 6C0020.2.2 500.002. .22 2402202020. I*.* I» .* .
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Ergebnis der Wettbewerbe um den Ludwig=-Prandtl-Preis 1939
| und den Lilienthal-Preis 1939.
Bon Wilhelm Hoff.
Durc die alljährliche Stiftung des Ludwig-Prandtl-
Preiſes will der Reichsminiſter für Wiſſenſchaft, Erziehung
und Volksbildung die beſte Jahresleiſtung auf dem Gebiete der
Flugphbyſik in Berbindung mit dem Flugmodellbau auszeichnen,
die in einer Schule, entweder von Lehrern oder von Schülern
vder auch als Gemeinſch Der Preis wird im ganzen oder auch in Teilbeträgen an
eine oder auch mehrere deutj Nah dieſer dur< die Ausſchreibung feſtgelegten Anweiſung
kommt es nicht darauf an, daß in einer gut geleiteten Arbeits-
gemeinſchaft allein Flugmodelle-mit und ohne Antrieb ent-
worfen, mit geſchi&ten Händen gebaut und alsdann betrieben
werden. Der ſichtbare Erfolg ſolder Gemeinſchaftsarbeit wird
ſtets werbend auf einen Jungen wirken. Dieſe erſtrebenswerten
Leiſtungen einer Schule finden deshalb auf anderen Wegen
ihre verdiente Anerkennung. |
Leider mußten wegen falſcher Auffaſſung über den be-
ſonderen Sinn der Ausſchreibung im vorigen und auch in
dieſem Jahr mehrere Schulen, die Borzügliches auf dem engeren
Gebiet des Flugmodellbaus geleiſtet hatten, als Bewerber
' ausfallen. Sie hatten nicht den verlangten Nachweis der Ber-
bindung der Flugphyfik mit dem Flugmodellbau erbracht.
Deutſchland verfügt heute, wie andere luſtfahrttreibende
Länder auh, über eine große Anzahl beſtens eingerichteter
Luftfahrtforſhungsanſtalten. Keinesfalls iſt es die Aufgabe
einer Schule, ihre Tätigkeit auf dem Arbeitsgebiet dieſer An-
ſtalten zu juchen,
Viel beſſer kann bei |hulmäßig vorbereiteten Borführungen
auf die Bielſeitigkeit der phbyſikaliſGen Erſcheinungen bin-
gewieſen und verſucht werden, irgendeiner beſonderen Beob-
achtung nachzugeben, ihre Deutung und ihre Anwendbarkeit
in der Luftfahrt zu finden. Solche Arbeiten brauchen keinesfalls
auf dem Gebiet der Strömungslehre allein beſchränkt zu bleiben,
Im vorigen Jahr wurde der Oberſchule für Jungen in
NVheinhaujen/Ndrh. - Hohenemmeric Prandtl-Preiſes zuerkannt. Hier hatte ſich der leitende Fach-
lehrer, Oberſchullehrer Römer, die Aufgabe geſtellt, die Flug-
bedingungen frei fliegender Modelle zu unterſuchen. Zu dieſem
Zwe&E war eine mit Fallgewichten getriebene Schleuder für
Flugmodelle entworfen und gebaut worden, auf der mit größter
Schonung des Modells die erforderlihen Meſſungen (Be-
ſ Ohne 8Sweifel werden die Schüler, die das Gerät bedienen,
ſehr eingehend in die mechanij 'Scleudervorganges, ſondern auc< des Abflugs eindringen
können. An dieſer Stelle darf daran erinnert werden, daß der
bekannte Erbauer der Pralluftſchiffe, Major a. D. Profeſſor
Dr.-Ing. e. h. von Parſeval, Berſuche an Flugmodellen ſchon
vor 30 Jahren auf ähnliche Weiſe durc “ Der Oberſchule in Zwikau und dem Gymnaſium in Allen-
ſtein wurden je ein Biertel des Ludwig-Prandtl-Preiſes 1938
zugeſprochen.
Die Städtiſau hatte mit
Hilfe eines kleinen Strahlgebläſes und einer Dreikomponenten-
waage zwei häufig gebaute Flugmodelle unterſucht und mit-
einander verglihen. Studienrat Stein konnte an dem ſicher
nicht idealen Gerät und mit unzufriedenſtellenden Meßergebniſſen
ſeinen Schülern mit dieſem Bergleich doh zeigen, wie die Unter-
ſchiede im Aufbau der Modelle zu erklären ſind. Fm Staatlichen
Gymnaſium Allenſtein hatte der Schüler Joachim Schmidt
als Angehöriger der Arbeitsgemeinſchaft Flugpbyſik zwei ſelbſt-
wirkende Steuerungsgeräte für Flugmodelle entworfen, gebaut
und in ihrer Wirkung während vieler Freiflüge beobachtet.
Die von Joachim Schmidt übernommene Aufgabe gehörte zu
den ſchwierigſten, die in der Luftfahrttechnik vorliegen, und
konnte mit den Kräften einer Schule nicht bewältigt werden. -
Aber das Ringen mit den überräſchend auftretenden Er-
ſcheinungen, das Suchen nah. Abhilfe hat dem Bearbeiter und
ſeinen Kameraden ſicher einen Begriff dafür gegeben, wie
verwidelt ſolhe zunächſt einfa< erſcheinenden Aufgaben ſind,
und wie immer wieder Kenntniſſe aus anderen phyſikaliſchen
Vorgängen zur Hilfe herangezogen werden müſſen.
In di eſ em Jahr wurde der bedeutendere Teil des Ludwig-
Prandtl-Preiſes an die Heinrich-von-Kleiſt-Schule in Berlin-
Schmargendorf gegeben. Studienrat W. Kiſſe arbeitet hier
ſeit vielen Jahren mit ſeinen Schülern in einer flugphyſika-
liſHen Arbeitsgemeinſchaft an einem jelbſigebauten Wind-
kanal. Er hat eine große Zahl verſchieden geſtellter Aufgaben
verſuchsmäßig derart ſorgfältig durc in ſeinem „FlugphyſikaliſGen Arbeitsbuch“ niedergelegt, daß
ſie von anderen Phyſiklehrern und Arbeitsgemeinſc allzu zeitraubende Borarbeiten wiederholt werden können.
Bei jeder Aufgabe wird der Eindru> neu gewonnen, daß die
Auswahl, die Durchführung und die Sclußfolgerungen aus
den Verſuchen ſehr ſorgfältig getroffen und auf das Können
der Schüler abgeſtellt worden ſind. Eine große, Über den
Rahmen der kleinen Arbeitsgemeinſchaft der Heinrich-Kleiſt-
Schule weit hinausgebende Arbeit iſt hier geleiſtet worden, -
die andere Sculen anregen wird, und die voll anerkannt werden
muß.
Ein kleinerer Teil des Ludwig-Prandtl-Preiſes 1939 wurde
der Horſt-Weſſel-Schule in Chemniß zuerkannt, deren Arbeits-
gemeinſchaft jich die Unterſuchung von Luftſchrauben für Flug-“
modelle zum Ziel geſeßt hatte. Als Arbeitsgerät diente ein
kleiner felbſtgebauter Luftſchraubenprüfſtand mit Benzin-
Kleinflugmotor. Die Berjuchsergebniſſe gaben den Schülern
einen gewiſſen Einbli> in die Arbeitsverhältniſſe ſolch kleiner
Luftſchrauben. Allerdings zeigten dieſe Berſuche auch die
große Schwierigkeit, die Arbeitsweiſe der Luftſ frei zu behandeln. oo
Die Vergebung des Ludwig-Prandtl-Preiſes gibt alljährlich
den Schulen, denen Anteile zugeſproH Möglichkeit zur erweiterten Gemeinſc nächſtjährigen Wettbewerb weitere Schulen folgen, um die
Aufgabe der Ausſchreibung, eine Berbindung zwiſchen Flug-
phyſik. und Modellbau zu finden, zu erfüllen.
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Um den Lilienthal-Preis des Reichsminiſters für
Wiſſenſchaft, Erziehung und Bolksbildung haben ſich in dieſem
- und im vorigen Jahr viele Abiturienten beworben. Einzelne

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