Nichtamtlicher Teil 245*
Bisher beſtand bereits die Möglichkeit, daß Facharbeiter,
d. h. Abgänger der Meiſterlehre und Berufsſchule ſowie Ab-
gänger von Berufsfachſchulen, nach Beſtehen einer entſprechenden
Aufnahmeprüfung in den 2. oder 3. Jahrgang einer Höheren
Abteilung eintreten konnten. Dieſer Anweg ſoll in Hinkunft
dadurc< ausgebaut werden, daß ſogenannte Übergangsklaſſen
geſchaffen werden, die zur Borbereitung derartiger Aufnahms-
werber für den unmittelbaren Eintritt in die Fachſchule, alſo
in den bisherigen 3. Jahrgang der vierjährigen Staatsgewerbe-
ſhule, na< Ablegung der vorgeſchriebenen Ausleſeprüfung
dienen. In dieſer Hinſicht wird alſo ebenfalls eine befriedigende
Übereinſtimmung mit dem Zuſtand im Altreich erzielt werden.
Nac< Durchführung der erwähnten Maßnahmen wird
ſomit lediglich das Beſtehenbleiben der Unterſtufe eine Ve-
ſonderheit der oſtmärkiſchen öngenieurſc derzeit niht zu umgehende Erhaltung verurſacht zwar er-
heblihe Koſten, bietet aber durch die Gewährleiſtung einer
lü&enloſen Erziehungsarbeit in pädagogiſ anſchaulicher Hinſicht beträchtliche Borteile. In den nächſten
Jahren wird ſich herausſtellen, ob die Borteile dieſes Syſtems
derart ausſchlaggebend ſind, daß es dauernd erhalten und auch
für das Altreich übernommen werden könnte, oder ob man
. in der Oſtmark zur Gänze auf den gegenwärtig im Altreich
herrſchenden Zuſtand übergehen wird.

Merkblatt für die Erzieher der Volksſchulen und ver Oberſchulen für Jungen.
Ausleſe für das Muſiſche Gymnaſium in Frankfurt a. M.
Das Muſiſche Gymnaſium in Frankfurt a. M. wurde am 1. Juli
1939 von Reichsminiſter Ruſt gegründet.
E38 hat die Aufgabe, muſikaliſch hervorragend begabte Jungen
aus allen Schichten des deutſchen Volkes ohne Rüdſicht auf Herkommen
und wirtſchaftliche Lage der Erziehungs3berechtigten von früheſter
„Jugend an zu ſammeln, gemeinſam zu erziehen und auszubilden.
EZ iſt eine Ausleſeanſtalt, in der die künſtleriſchen Anlagen der Jugend
ebenſo wie die mäßig ſo gefördert werden, daß die Zungen dieſer Schule zu Höchſt-
leiſtungen im Dienſte unſerer deutſchen Muſikkultur und unſerer
nationalſozialiſtiſchen Volk8gemeinſchaft befähigt werden. Je beſſer
daher die Ausleſe der Jungmannen im Muſiſchen Gymnaſium ſein
wird, deſto größer wird der Erfolg der Erziehungsarbeit ſein. Die
Ausleſe erfolgt im engſten Einvernehmen mit der Partei, deren Gliede-
rungen und den Behörden des Staates.
Die Aufgabe der Erzieher an den Volksſchulen und an den Ober-
ſchulen für Jungen wird es ſein, das Muſiſche Gymnaſium dabei in
beſonderem Maße zu unterſtüzen. Mit Erlaß des Reichs8miniſter3
für Wiſſenſchaft, Erziehung und Volksbildung vom 7. Dezember
1939 -- E III c 2370 E IIa, Z III -- wurde die Ausleſe der Jung-
mannen für das Muſiſche Gymnaſium in Frankfurt a. M. den Er-
ziehern der Volksſchulen und der Oberſchulen für Jungen zur Auf-
gabe und Pflicht gemacht.?)
Die Jungen, die für die Aufnahme in das Muſiſche Gymnaſium
in Frage kommen, müſſen körperlich völlig geſund, raſſiſch einwandfrei,
djarakterlich wertvoll und muſikaliſch hervorragend begabt ſein.
Das Geſamtergebnis der auf Grund des Erlaſſes vom 27. März
1939 --- E III c 656 E II, V(a) --2) eingereichten Meldungen war
nac) Mitteilung des kommiſſariſchen Leiter3 des Muſiſchen Gymna-
ſiums zufriedenſtellend, ſoweit e3 die Schüler für die Oberſchulklaſſen
betraf. Von 650 im Vorſommer 1939 gemeldeten Schülern wurden
bei den Prüfungen in Berlin, Bres8lau, Dre8ven, Wien und Frank-
furt a. M. 150 Jungen aus8gewählt, von denen 120 am 10. November
1939 in das Muſiſche Gymnaſium übergetreten ſind.
Leider hat ſich gezeigt, daß die Meldungen au3 den Volksſchulen
nur in verhältniSmäßig Ueinem Umfange erfolgt ſind, ſo daß die
Ausleſe nicht in vem Maße vorgenommen twerden konnte, wie es
beiſpiel8weiſe bei ven Meldungen für die Oberſchulklaſſen der Fall
war. Zum Teil lag dies daran, daß der tiefere Gedanke des Muſiſchen
Gymnaſiums nicht richtig erfaßt worden iſt, zum Teil ſind nach den
eingegangenen Berichten von verantwortungs8bewußten Eltern
Bedenken geltend gemacht worden, die ſich auf die finanziellen Ver-
pflichtungen und auf die frühe Gemeinſchaftserziehung bezogen.
Dem iſt entgegenzuhalten, daß das Muſiſche Gymnaſium, wie
ich in meinem Erlaß vom 27. März 1939 -“-E IIIc 656 E II, Va--
ausdrülich betont habe, neben ver vollwertigen
körperlichen und wiſſenſchaftlichen Aus8bildung
einer Höheren Schule das beſondere Ziel hat, die
muſiſchen und künſtleriſchen Anlagen der Jugend planmäßig zu fördern.
Ausſchlaggebend für die Aufnahme in da8 Muſiſche Gymnaſium iſt
daher in erſter Linie die muſikaliſche Veranlagung
und nicht die Frage, ob die Erziehungsberechtigten zur Übernahme
21) Abgedrukt in Deutſch. Wiſſ. Erziehg. Volksbildg. vom 20, De-
zember 1939, |
2) Abgedrut in Deutſch. Wiſſ. Erziehg. Volksbildg. Heft 7 S. 206.
der mit dem Beſuch verbundenen finanziellen Verpflichtungen in
der Lage ſind. Die Höhe des Erziehungsbeitrages einſchließlich Unter-
kunft, Verpflegung, Schulgeld, muſikaliſcher Ausbildung und er-
forderlichen Nachhilfeunterrichts beträgt monatlich 70 RM; je nach
den Einfommensverhältniſſen der. Erziehungsberechtigten und nad)
der Begabung werden teilweiſe oder ganze Freiſtellen gewährt. Zh
darf in dieſem Zuſammenhange erwähnen, daß der Führer ſelbſt --
zu dieſem Zwecke eine laufende jährliche Beihilfe leiſtet, um gerade
Jungen aus den ärmeren Schichten des Volkes den Bejuch der Schule
zu ermöglichen. Alle Eltern ſind demnach imſtande, die finanziellen
Verpflichtungen der Anſtalt gegenüber zu erfüllen.
Was den weiteren Einwand der Erziehung3berechtigten anlangt,
daß ein Junge mit 9 bis 9% Jahren für die Gemeinſchafts8erziehung
noch zu jung ſei, ſo iſt vem entgegenzuhalten, daß die biSherige Er-
fahrung das Gegenteil gelehrt hat. Gerade die Jüngſten haben ſich
ſehr ſchnell und leicht in das Gemeinſchaftszleben mit gleichalterigen
Kameraden hineingefunden. Das gemeinſame Chorſingen, das
Mitwirken im Schüleror der Schulaufgaben ſind die beſten Mittel zur Gemeinſchaftserziehung
und geben dem aus dem Einzelleben herausgenommenen Jungen
vielſeitige Anregungen und Möglichkeiten.
Die Bezeichnung „Muſiſche3 Gymnaſium“ bedeutet, daß an dieſer
Erziehungsanſtalt eine organiſche Syntheſe der deutſchvölkiſchen
Kulturwerte und der artverwandten kulturellen Leiſtungen des Uaſſiſchen
Hellenentums in Kunſt, Philoſophie und Gymnaſtik geſchaffen werden
ſoll. Die wiſſenſchaftlichen Fächer ſind um die muſiſche Fachgruppe
al3 Kerngebiet ſinnvoll gruppiert und ſtundenplanmäßig ſo eingeteilt,
daß troß der Führung der künſtleriſchen Ausbildung die wiſſenſchaftliche
Reiſe verbürgt iſt. Beſonderer Wert wird der körperlichen Ertüchtigung
beigelegt; die AuSsbildung umfaßt neben dem Unterricht nach den
Lehrplänen der Oberſchule für Jungen die in den Richtlinien für die
LeibeSerziehung in Jungenſchulen aufgeführten Sportarten, außerdem
Rudern, Segeln, Reiten uſw. Hierfür ſind ebenſo wie für alle anderen
Gebiete vorbildliche und umfaſſende Einrichtungen an der Schule
geſchaffen.
Das Muſiſche Gymnaſium iſt eine zehnklaſſige Er-
ziehungsanſtalt, der ein Schülerheim angegliedert iſt. Die
Schule beſteht aus:
der 3. und 4. Volksſchulklaſſe al8 Vorſtufe,
einer achtklaſſigen Höheren Schule mit dem Lehrplan einer
Oberſchule für Jungen. .
Die AuSsbildung endet mit einer muſiſch-gymnmnaſtiſch-
wiſſenſchaftlichen Reifeprüfung, die derjenigen einer Oberſchule gleich-
berechtigt iſt. Das Reifezeugnis geſtattet den Zugang zu jedem
Studium, gewährt aber beſondere Erleichterungen bei der Zulaſſung
zum Studium an einer Hochſchule für Lehrerbildung, einer Hochſchule
für Muſik und einer Hochſchule für Muſikerziehung. Beim Übergang
zum Studium an dieſe Hochſchulen entfällt die Aufnahmeprüfung
in jeder Form. Darüber hinaus iſt vorgeſehen, daß die Schüler des
Muſiſchen Gymnaſiums beim Übertritt an eine der genannten Hoc-
ſchulen gebührenfreies Studium erhalten. '
Die Geſamtleitung der Schule -liegt in der Hand eines
anerkannten Fachmuſiker8; ihm fällt ausſchließlich die Verantwortung
für den Geſamtaufgabenkreis der Schule, in8beſondere vie Innehaltung
der bereits gefennzeichneten Zielſezung zu.
Für die Geſtaltung und Durchführung des Unterrichts iſt ein
beſonderer Unterrichtsleiter al8 Oberſtudiendirektor eingeſeßt.

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